Angenehme Ueberraschungen.
Mehrere angenehme Ueberraschungen wurden mir in den Jahren 1838 und 39 bereitet. Man wird sich erinnern, daß der Bischof Münter, mir, als ich Ritter vom Nordsternorden geworden war, sagte: „Der König kann es nicht leiden“! und ich hatte später Ursache, ihm zu glauben; denn drei Mal war ich von der Universitätsdirection meiner Anciennetät als Professor zufolge zum Etatsrath vorgeschlagen, ohne daß ich es wurde; und ich weiß, daß alle Betreffenden sich darüber wunderten. Vielleicht hat der selige König geglaubt, daß ich selbst mich um jenen Orden bemüht habe. Die Wunde des verlorenen Norwegens war noch nicht geheilt — und die Unzufriedenheit des Königs läßt sich menschlich erklären. Aber sein gutes Herz gestattete ihm doch nicht lange dem Unschuldigen zu grollen.
Im Jahre 1838 wohnten die königlichen Herrschaften nicht auf Friedrichsberg; das Schloß stand leer, und ich bekam so große Lust, wieder einmal dort zu wohnen, daß ich dem Triebe nicht widerstehen konnte, meinen Wunsch gegen den Oberhofmarschall auszusprechen. Er trug dieses darauf dem Könige vor und brachte mir die angenehme Nachricht, die ich gar nicht erwartet hatte, daß der König es gleich erlaubt und gesagt hätte: er könne ganz gut begreifen, daß ich wünschte, wieder einmal da zu wohnen, wo ich meine Kindheit verlebt, und wo er mich gekannt hätte, als ich nicht größer, als so war! Hier machte er mit der Hand eine Bewegung nach der Erde zu. — Ich zog also mit meiner lieben Marie hinaus und lebte in schönen Jugenderinnerungen mit dem theuren Kinde, das mich (was ich damals noch nicht wußte) bald verlassen sollte; ich ging, von vergangener Zeit träumend, umher und besuchte täglich die Portraits meiner ältesten Geliebten in den königlichen Zimmern. Die Vergangenheit stand wieder so klar vor mir, daß ich Lust bekam, mein Leben ausführlicher und vollständiger, als das erste Mal zu schreiben, und ich begann die gegenwärtige Ausgabe. Damals vollendete ich nur die Periode meiner Kindheit. Manche Stelle zeugt von diesem meinen letzten Aufenthalte auf dem Schlosse, z. B. die genaue Beschreibung und das Urtheil über das große Gemälde von Rubens, das, von Lorenzen copirt, in dem Zimmer der Königin hing. Täglich ging ich mit meiner Maria im Garten und im Südfelde spazieren, wie ich es gethan hatte, als sie klein war. In diesem Sommer schrieb ich auch die Tragödie: „Knud der Große“.
In unserer ländlichen Einsamkeit wurden wir durch die freudige Nachricht überrascht, daß Thorwaldsen nach Dänemark komme, um sein übriges Leben bei uns zuzubringen.
Sein Empfang ist eine historische Scene, deren Schilderung nicht in ein idyllisches Gemälde gehört. Ich war auch auf der Rhede in einem Boote, um ihn zu begrüßen, was mir wegen des großen Schwarmes von Fahrzeugen doch nicht glückte; aber ich sah ihn ziemlich fern in dem Königsboote sitzen, und entdeckte da bereits, daß sein Haar, welches früher (nach seinem eigenen lustigen Ausdrucke) gepudert gewesen, nun schneeweiß geworden war.
In diesem Jahre ernannte mich König Friedrich VI., ohne einen Vorschlag von Seiten der Universität, als ich es am wenigsten erwartete, zum Etatsrath.
Im Jahre 1839 fiel es meinem Freunde Bournonville ein, meinen Aladdin zur Aufführung auf dem Theater einzurichten. Mit dem ihm eigenen Geschmacke wählte er die Musiknummern, componirte schöne Tänze zu den Feenscenen und Aufzügen und tanzte selbst vortrefflich darin. Ich hatte ihm und Overskou die Vollmacht gegeben, das Stück nach Gutdünken zu kürzen und zusammenzuziehen. So wurde es wiederholt mit vielem Beifall gegeben und verschaffte mir eine so reiche Einnahme, daß ich eine Freude genießen konnte, die mir in meinem ganzen Ehestandsleben nur ein einziges Mal, vor 22 Jahren, zu Theil geworden war, und an der ich jetzt auf dem Schlosse Geschmack gefunden hatte: einen Sommer mit meiner ganzen Familie auf dem Lande zuzubringen.