Meine Tochter zieht nach Norwegen.

Ich zog nun mit meinen Söhnen in das Schloßverwalterhaus. Mein Schwiegersohn Konow und meine Tochter wohnten in der Stadt. Er hatte erst die Absicht gehabt, sich ein Gut in Dänemark zu kaufen. Aber da er keins fand, was ihm convenirte, und da wohl auch der freiheitsliebende Norweger sich nicht dazu entschließen konnte, Unterthan eines souverainen Königs zu werden (damals zeigte sich viel Gährung und Opposition hier im Lande), so beschloß er ein schönes Gut, Steen, zwei Meilen von seiner Vaterstadt Bergen, zu kaufen. Nun sollte ich also auch, wenngleich, gottlob nicht für stets, meine Maria verlieren.

Die traurigen, stillen Vormittage in der ersten Zeit nach Christiane's Tod (mich trennte nur ein breiter Platz von dem Kirchhofe auf dem sie begraben war) brachte ich damit zu, alle ihre Briefe zu lesen, wodurch ich mich gleichsam in meine erste Jugend zurückversetzte und das entschwundene Leben noch ein Mal mit ihr durchlebte. Ich miethete Zimmer für den Winter, besuchte die lieben Neuvermählten, und ihre Nähe erquickte mich sehr, bis die Abschiedsstunde kam, wo ich meine schmerzlichen Gefühle bemeistern mußte. Die Trauer wurde durch den tröstlichen Gedanken gemindert, daß ich sie, unserer Verabredung gemäß, bald in Norwegen besuchen würde.

Bevor sie aber abreisten, versuchte eine Zahl der begabtesten und gebildetsten jungen Männer des Vaterlandes, mich dadurch zu trösten, daß sie mir einen neuen ehrenvollen Beweis ihrer Achtung gaben. Ich erhielt folgenden Brief:

„Der Studentenverein an Adam Oehlenschläger!

Sie vollenden heute das 62. Jahr ihres Lebens, welches dem Dienste der Musen geheiligt war, dessen bedeutungsvolle Wirksamkeit ihrem Namen Unsterblichkeit verleihen wird. Gegen diese muß eine wenn auch noch so kräftig ausgesprochene Anerkennung eines kleinen Kreises der Gegenwart einem Nichts gleich sein; aber eine Gesellschaft junger Musensöhne, welche Sie in einer Reihe von Jahren mit Freuden unter sich gesehen hat, fühlt die Pflicht auszusprechen, daß sie es für eine Ehre für die Gesellschaft hält, Sie zu deren Mitgliedern zu zählen. Der Studentenverein bittet Sie daher, den Platz als Ehrenmitglied der Gesellschaft anzunehmen, und indem wir, die Vorsteher des Vereins, Ihnen dies, laut uns gegebenem Auftrage, mittheilen, konnten wir dem Drange nicht widerstehen, Ihnen persönlich unsere Freude darüber auszusprechen, daß uns die Ehre zu Theil geworden ist, diese Handlung der Gerechtigkeit gegen den ersten Dichter unseres Vaterlandes zu vollziehen.

Das Seniorat des Studentenvereins am 14. Nov. 1841“.

Diese Huldigung war früher nur Rahbek und Thorwaldsen zu Theil geworden, und es fand in Folge derselben ein schönes Fest Statt.


In demselben Jahre wurde ich Commandeur des Dannebrogordens. Kurz darauf ward ich auch Mitglied der niederländischen Gesellschaft der Wissenschaften, und erhielt die große goldene Medaille der schwedischen Akademie für Geist und Geschmack (för Snille och Smak).