Gnade des Königs.
Der König hatte mir erlaubt, „diesen Sommer“ im Schloßverwalterhause zu wohnen. Ich wünschte nun sehr, daß diese Erlaubniß auf mehrere Sommer ausgedehnt werden möchte. Als ich ihm für seine Güte dankte, fragte er, ob nicht auch ein Garten dabei sei, und ob ich diesen pflege? Dies gab mir die beste Gelegenheit, meine Bitte anzubringen. Ich antwortete, daß ich ihn sehr gern pflegen würde, wenn ich hoffen könnte, in der Zukunft auch die Früchte zu ernten. Der König antwortete: „Wenn es möglich sei, sollte ich die Erlaubniß erhalten, dort wohnen zu bleiben“, und als ich in dem muntern Tone, in dem er mich gern sprechen hörte, antwortete: „für Ew. Majestät ist sehr Viel möglich“, erlaubte er mir die Wohnung zu behalten. Ungefähr um dieselbe Zeit starb die Conferenzräthin Jessen, welche nach dem Tode ihres Mannes auf dem im Friedrichsberger Garten, von üppigen Gebüschen und Bäumen verborgen gelegenen Fasanenhofe wohnen geblieben war. Der Oberhofmarschall Levetzau, den ich von Jugend auf kannte, und der stets freundlich mit mir gewesen war, erzählte mir, daß der König mir erlaubt habe, zu wohnen, wo ich es selbst am liebsten wünschte: entweder im Schloßverwalterhause oder auf dem Fasanenhofe. Als ein Freund des Alten, an das sich viele liebe Erinnerungen knüpften, zog ich es zuerst vor, da zu bleiben, wo ich war; als mir aber der Marschall lächelnd rieth, erst den Fasanenhof anzusehen, that ich es und schwankte nicht länger.
Tod Wullf's und Bröndsted's.
In dieser Zeit traten kurz nach einander zwei traurige Todesfälle ein, welche mir zwei meiner besten Freunde raubten. Zuerst starb plötzlich mein lieber Peter Wullf. Ich hatte ihn im Jahre 1814 als Capitain und Lehrer der Seecadetten kennen gelernt. Unsere Freundschaft wurde in der Baggesen'schen Periode geknüpft, in welcher Wulff sich uns warm angeschlossen hatte.
Er schrieb schöne Gedichte, und setzte die Foersom'sche Uebersetzung des Shakespeare zwar nicht mit der Virtuosität Foersom's, aber doch lobenswerth fort. Jetzt war er Contreadmiral und Generaladjutant. Seine gute Frau hatte er einige Jahre vorher verloren. In dem liebenswürdigen Kreise seiner Familie verlebte ich viel heitere Tage. Weyse war auch ein Freund des Hauses und erquickte uns oft durch seine schönen Phantasieen am Fortepiano.
Der gute Wulff litt zuweilen an einem leichten Podagra, war aber niemals eigentlich krank. Eines Abends im Theater fühlte er sich nicht recht wohl, ging hinaus, nahm eine Droschke, um nach Hause zu fahren, und ehe er nach der Cadetten-Akademie kam, — war er todt!
Tod Bröndsted's.
Im folgenden Jahre hatte mein lieber Bröndsted ein ähnliches Schicksal. Von Natur war er riesenstark und genoß einer vortrefflichen Gesundheit. Aber er war vollblütig und bedurfte der Bewegung. Da er nun viel saß und nach alter Gewohnheit immer lange zögerte ehe er sich in Bewegung setzte, so beeilte er sich dann um so mehr zu Pferde, denn er ritt lieber, als er ging. Ein paar Jahre wohnte er des Sommers auf Friedrichsberg, wo ich ihn und seine liebenswürdigen Töchter Friederike und Marie häufig besuchte. Die armen Mädchen gingen oft des Abends um sieben, halb acht Uhr auf die Landstraße, um nach ihrem Vater zu sehen, der noch nicht zum Mittagsessen gekommen war. Wenn sie ihn dann in weiter Ferne herangalopiren sahen, freuten sie sich. Leider sollte diese Freude bald in Trauer verwandelt werden.
In Kopenhagen wollte er eines Tags zu einem der Thore hinaus reiten. Auf der Esplanade begegnete ihm der Etatsrath, späterer Minister Bang. Sie hielten an und sprachen mit einander. Das Gespräch war zu Ende und Bröndsted wollte weiter reiten, als er, gutmüthig und höflich wie er stets war, den unglücklichen Einfall bekam, Bang für eine Abhandlung zu danken, die dieser kurz zuvor geschrieben hatte. Rasch und kühn warf er das Pferd herum; aber bei dieser Bewegung fiel er ab. Er war zwar an das Reiten gewöhnt; aber da er kurz und untersetzt war, konnte er sich nicht fest genug halten. Er bekam einen fürchterlichen Schlag, wobei er wohl merkte, daß Etwas in seinem Körper zerbrach. Er hatte noch so viel Kraft, daß er sich mit Hülfe eines Andern nach dem nahe gelegenen Friedrichshospital schleppen konnte. In den ersten Tagen schien es, als ob die Gefahr nicht sehr groß sei; nun aber schwoll der Körper auf, und er starb glücklicherweise plötzlich, wobei er von heftigen Schmerzen verschont blieb. Das Becken war ihm gebrochen! und doch hatte er Muskelkraft und Körperstärke genug gehabt, um von der Esplanade nach dem Hospital zu gehen. Armer Bröndsted! wie viele Gefahren hast Du in Deinem Leben besiegt! auf Felsen und Bergen in der dunkeln Nacht bist Du an tiefen Abhängen vorübergeritten — und es hatte Dich Nichts betroffen! Und nun solltest Du an einem schönen, stillen, hellen Tage unter den freundlichen Bäumen in einer schönen Allee der Hauptstadt Deines Vaterlandes stürzen!