Gedicht von Frankl.

Von den übrigen bei dieser Gelegenheit gesprochenen Gedichten, möge hier folgendes von Ludwig Aug. Frankl Platz finden:

Bei Enthüllung des Bildes von Ammerling.

Ein Bild entroll' ich Euch aus hohem Norden;
Es harrt das Volk im alten Dom zu Lund —
Lautlos ist's in den Hallen rings geworden;
Erwartungsvolle Feier giebt sich kund.
Ein Priesterskalde tritt jetzt zum Altare
Dort kniet ein Mann mit bleichem Angesicht,
Und drückt ihm einen Lorber in die Haare,
Den Einzler Gunst nicht, den sein Volk ihm flicht.
Und lauter Jubel schallt und freud'ges Rufen
Und der gekrönte Dichterkönig hebt
Sich fromm erschüttert von des Altars Stufen,
Von seines Geistes Majestät belebt.
Heil, wo der Dichter nicht im Leben einsam
Ein unverstandner Fremdling, ein Komet,
Wenn, was er fühlt, ein Blitz plötzlich gemeinsam,
Elektrisch durch die Herzen Aller geht!
Gern kehrt der Genius in eine Brust ein,
Die stark empfindet, was in Vielen lebt,
Heil, wo das Lied, das tönende Bewußtsein
Von einem Volk, sich als Choral erhebt.
Die eigne Lust, das eigene Zerwürfniß
Klingt schön zu eines edlen Dichters Harf' —
Ihr wißt, dort wird das Lied nicht zum Bedürfniß,
Wo's nicht des Volkes Sinn dolmetschen darf.
Seht hier den Mann, sein edles Haupt beglückte
Im nordisch alten Dom der grüne Kranz.
In diesem schönen Dichterkreise schmückte
Symbolisch sich ein Volk mit eignem Glanz.
Genügt es ihm, daß er ein Volk bezwungen?
Als er die schöne Kraft in sich gewahrt.
Da sang er frisch und klangvoll in zwei Zungen,
Der erste Doppelzüngler edler Art.
Noch glänzt sein Auge hell und jugendprächtig,
Aladdin's Lampe hat es sanft verklärt,
Noch regt in ihm die Schöpferkraft sich mächtig;
Solch schönes Leben ist des Lebens werth.
Wie jenes Meisters, auch entstammt dem Norden,
Der andere von dem Dioskurenpaar
Dem lebend schon Unsterblichkeit geworden,
Der ein Homer in Marmor war.
Leb wohl! Froh wirst Du in der Heimath leben
Es trägt Dein Schiff auch eines Cäsar's Glück,
Uns bleibt, wenn fernhin seine Segel schwanden,
Erinn'rung und Dein edles Bild zurück.

Der Dichter Grillparzer schrieb in des dänischen Dichters Stammbuch:

Was frag' ich viel um Nord und Süd,
Streng abgetheilt nach Grenzen und Revieren,
Wenn so wie Du der Norden glüht,
Des Südens Dichter aber frieren.

Baron Hammer schrieb:

Dich grüßten als Skalden aus Oesterreichs Halden
Die Sänger in jubelndem Chor;
Als Orientalen zum andertmalen
Begrüßt Dich der Hammer des Thor.
Da jene als Riesen des Liedes Dich priesen
Zweizüngig im edelsten Sinn,
Grüß' ich Dich Waräger als feurigen Träger
Der Lampe des Aladdin.

Ischl. Salzburg.
Mozart's Standbild.