Politische Verhältnisse.

Kopenhagen, den 24. März 1849.

Ich würde früher geschrieben haben, wenn ich nicht den Ausbruch des Krieges oder den Friedensschluß hätte abwarten wollen. Jetzt ist es doch zu einem achttägigen Waffenstillstand gekommen, der Einigen nicht behagt; die meisten Vernünftigen glauben doch, daß er gute Folgen haben wird, und daß er wenigstens die theuern Menschenleben während der Friedensunterhandlungen schont.

Ueber das politische Wesen ist es noch nicht möglich, ein Urtheil zu fällen. Auf dem Reichstage geht es schläfrig und langsam. Ich bin noch nie dagewesen. Gebe Gott, sie kämen so weit, das Wahlrecht ein wenig zu beschränken, sonst werden wir in den Schlamm hinabgezogen; doch ist noch Hoffnung vorhanden, denn der Kern des Reichstags besteht aus vernünftigen, tüchtigen Leuten.

Meine Tragödie Königin Margarethe ist wieder sehr gut gespielt worden. Mad. Nielsen und Herr Nielsen waren vorzüglich. Mad. Winslöv glücklich, und Mad. Holst spielte ihre Ingeborg anmuthig und rührend, wenn sie auch seit der Zeit, wo das Stück zuletzt aufgeführt wurde (14 Jahre) sehr gut eine Tochter hätte haben können, die mit Rücksicht auf das Alter für die Rolle besser gepaßt hätte.

Vor einigen Tagen war ein Deutscher, Dr. Leo, bei mir, Redacteur des Nordischen Telegraphen. Er erzählte mir, daß die dänische Literatur durchaus nicht in Deutschland verschmäht sei, daß es im Gegentheil scheine, als hätten die letzten kriegerischen Begebenheiten Vielen die Augen geöffnet.

Frederike Bremer ist hier diesen Winter; sie ist eine gute fromme Seele.


Die Lebens-Erinnerungen.