Frederiksberg, den 17. Juli. 1849.

— — Ich sitze jetzt wieder hier und schreibe an meinen „Lebens-Erinnerungen“, die ich schon im Sommer 1838 begann, als wir auf dem Frederiksberger Schlosse in den Zimmern wohnten, die jetzt Hauch bewohnt. Es verstrichen seitdem viele Jahre, und mein „Leben“ blieb liegen (d. h. die Beschreibung) — jetzt habe ich es wieder vorgenommen. Denn wenn ich ganz zu schreiben aufhörte, so würde ich unfehlbar darüber hinsterben, wenn ich auch noch so lange lebte. Wenn ich nun auch die letzte Hälfte nur fragmentarisch behandeln werde, so giebt es doch Vieles, das ich etwas genauer erzählen und beschreiben möchte. Ich bin bis an die Baggesen'sche Periode und die zweite Reise ins Ausland gelangt.


Schlußwort.

Die Ausführung der oben ausgesprochenen Absicht, die letzte Hand an seine Lebens-Erinnerungen zu legen, sollte, wie die Leser bereits wissen, dem Dichter nicht vergönnt sein. Es bleibt nur übrig, seiner letzten Tage mit wenigen Worten zu gedenken.


Letzte Tage Oehlenschlägers.

Am 14. Nov. 1849 vollendete Oehlenschläger sein 70. Jahr. Um diesen Tag zu feiern, hatten die edelsten und hervorragendsten Männer seines Volkes ein großes allgemeines Fest in den Räumen der königlichen Schützen-Gilde zu Kopenhagen veranstaltet. Dichter und Künstler, Gelehrte und schlichte Bürger empfingen ihn hier, wo ihm ein erhabener, geschmückter Platz zwischen den Büsten von Holberg und Ewald bereitet war; Reden und festliche Gesänge, die von Herzen kamen und zu Herzen gingen, liehen den Gefühlen der Nation das Wort, und auch Schweden und Norwegen waren bei diesem Feste durch den schwedisch-norwegischen Minister-Resident in Kopenhagen vertreten, der ein Hoch auf den „Dichter-Fürst des Nordens“ ausbrachte, während die Frauen, die stillen Pflegerinnen nationaler Tugenden, durch Grundtvig's Hand und Mund dem Dichter einen Lorbeerkranz überreichten.

Nach dem ersten allgemeinen Hoch auf den Jubilar, das mit einer Begeisterung aufgenommen, die den Gefühlen der Versammlung und den unverwelklichen Verdiensten des Dichters entsprach, erhob sich derselbe, und in einem längern Gedichte, so jugendfrisch und voll männlicher Kraft, wie die Sprache seiner Muße immer war, brachte er seinen tiefgefühltesten Dank dar.