So trat ich vor die Schranken her, —
Nicht, Mitleid zu erweinen;
Ich will, von Schuld beladen schwer,
In voller Schuld erscheinen.
Dem Mörder war ich zugesellt!
Und, Feind des Lebens dieser Welt:
Verlang' ich, Tod mir zu gewähren;
Doch frei den Jüngling zu erklären.« —

So sprach er; und die Halle glich
Dem Grabe der Karthause;
Und nur dem lauten Ach entwich
Des Volkes Todtenpause.
Doch schien dem hohen Landgericht'
Noch eine Frage von Gewicht:
Der Mordgeselle soll besagen,
Was sich mit Leutha zugetragen.

Mit Staunen ob der Frage, schweigt
Der bleiche Mordgeselle;
Doch sieh, von Greif getragen, zeigt
Das Kind sich an der Schwelle!
Die Tochter war noch schreckenblass:
Und jedes Auge wurde nass:
Da rührend nun die Gottgesandte,
Was sie vernommen, auch bekannte.


Geschäftig war das holde Kind,
Vergissmeinnicht zu pflücken,
Um liebend, mit dem Kranzgewind',
Wie oft, die Braut zu schmücken.
Da hörte sie ein Wehgeschrei;
Und lief, den Stufen zu, herbei:
Um in der Grotte, auf den Höhen,
Zu sehen, was der Braut geschehen.

Doch, wie den Mörder sie erblickt,
Am Höhleneingang droben,
Den Mordstahl in der Hand gezückt,
Zum Morde schon erhoben;
Und wie der Schlag darniederfällt:
Da schwindet ihrem Blick' die Welt;
Und unter Wehruf, halb vernichtet,
Ist sie der Ferne zugeflüchtet.


Die Tochter irrte nach Cremon,
Das lieb sie aufgenommen;
Doch schien der Todesengel schon
Herab auf sie gekommen.
Mit starrem Blick und ohne Wort,
So blieb sie, fern dem Vaterort';
Bis endlich Boten sie erfragen,
Und heim, zu ihren Lieben tragen.


Sie fühlt, vom tiefen Schlaf' erwacht,
Sich traut in Vaterarmen;
Und neu das Leben, angefacht
An Mutterbrust, erwarmen.
Und da die Sprache wiederkam,
Genügend nun das Volk vernahm:
Wie Wahrheit, aus der Unschuld Munde,
Den Mörder wies, durch sichre Kunde.