»Sie würde als des Malers Gattin unglücklich sein und sich elend machen,« setzte Graf Friedrich hinzu, »ihre Apanage reicht nicht zur Hälfte für die Ausgaben eines Haushalts, der junge Mann aber hat nichts als einen sehr neu und wohlerhaltenen Pinsel.«
»Herr Graf,« sagte Alslev, nachdem er Beiden aufmerksam zugehört; »die Frage ist, hat er Talent und Fleiß? Arbeit möchte der noch so lang zu hoffende Friede in unseren Kirchen und Schlössern zur Genüge bringen! Allein die Comtesse ist verwöhnt, und Er hat allerdings keinen Rang ihr zu bieten.«
»Lieber Freund,« erwiederte etwas ungeduldig Graf Friedrich, »sie kann doch nicht mit dem Burschen von Stadt zu Stadt auf's Handwerk ziehen?«
»Der Herr Graf haben in Hinsicht auf Rang und Verwöhnung vollkommen Recht,« versicherte der Alte; »doch ist die zweite eigentliche Frage, hat der Mensch eine Gesinnung, einen Charakter, ein gewisses Bleibendes in sich? denn nur im Gegenfall dürfen wir hoffen, Comtesse Helene anderes Sinnes zu machen!«
Beide Brüder sahen den Advokaten verwundert an. »Ich kenne Herz und Kopf der Comtesse,« fuhr der Alte fort, »sind beide übereinstimmend dem Jüngling günstig, ohne innern Widerspruch, so bleibt den Herren Grafen nur die Wahl zwischen dem Veralten im Stift, oder der mißfälligen Vermählung für sie.« – Alslev war traurig geworden, im Herzen dauerte ihn Helene, er theilte die Vorurtheile seiner Tage und betrachtete, abgesehen von möglicher pecuniärer Sorge, jede nicht standesgleiche Heirath als ein Unglück. Die Ehen aller drei Brüder, welche so heftig gegen einen ähnlichen Schritt der Schwester sich aussprachen, fesselten ihm die Zunge; hatten doch Alle bürgerliche Frauen, und hatten, was dem alten Rechtsgelehrten nicht unwichtig war, keine Familienstatuten sich ihrem Entschlusse zu seiner Zeit entgegen gestellt!
Seinen ernsten Worten zum Trotz baten ihn beide Brüder dringend um Vermittlung und Beistand, und er versprach Helenen abzurathen; natürlich führten alle Gründe des an die reiche deutsche Frau vermählten Friedrich auf die Unmöglichkeit des Auskommens zurück, während Christians edlere Sinnesart ihn auf Verschiedenheit aller äußeren Verhältnisse der Familien aufmerksam zu machen versuchte. Der unbestechliche Alte sah Beide mit durchdringendem Blicke an, und ein fast unmerkliches Lächeln zog über seine Lippen. »Geben Sie recht Acht!« sagte er endlich, »Comtesse Helene ist ihrer Mutter Kind; an Reichthum ist ihr ganz und gar nichts gelegen, obschon sie dessen bedarf, und auch ihres Großvaters Geist spukt ihr im Köpfchen; sie versteht zu wollen! Wenn Er nur kein Revolutionsnarr ist,« brummte der Alte im Herausgehen, »und die ganze Welt mit dem Schwerte pflügen und mit Blut düngen will, anstatt dem Felde anzusehen, welcher Saat es angemessen!«
Als der Obergerichts-Advokat in sein Schreibzimmer trat, saß Helene schon darin; rasch sprang sie auf, lief auf ihn zu und bot ihm beide Hände zugleich; »erst jetzt lieb Väterchen begrüße ich Sie recht aus Herzensgrund, ich habe sehr viel zu fragen und zu sagen, aber vor allem dies: daß ich unverändert und unveränderlich Ihre alte Helene bin!«
»Seh' es schon, lieb Fröken,« sagte lächelnd der Advokat, indem er der »Alten« Hände an sein Herz drückte, »sehe es an der kleinen Fingerspitze da in meiner Hand!«
»Nun denn, lieb Väterchen, quälen Sie mich nicht mit dem, was meine Brüder Ihnen gesagt und – folgen Sie den »bösen Buben« nicht!«
»Die Brüder haben recht, Helene!«