»Weil die Männer immer »recht haben« uns gegenüber! Als mein Bruder Christian wie toll und blind in des Fäestebönders Tochter verliebt war, hatte er recht, und heirathete sie frischweg; als mein zweiter Bruder Friedrich ohne alle Liebe Geld und Gut über unsern alten Adel erhob, billigte ganz Copenhagen die »Partie,« (im Goldkäfig sitzen ist indessen Geschmackssache) – als nun vor kurzem mein dritter Bruder eine schöne und edle Frau nahm, die 25 Jahre jünger ist als er – o da fandet Ihr Alle, daß er recht hatte; denn eine junge Frau ist liebenswerther als eine alte! Nun aber Väterchen, soll ich denn nicht beispielsweise von dem außerordentlich vielen Recht meiner Brüder profitiren und das »Rechte« ihnen nachthun? – Ich habe doch wahrhaftig den Fall einer nicht ebenbürtigen Vermählung in unserer Familie nicht erfunden! Daß die Männer immer Recht haben, ist übrigens eine sehr alte Geschichte, schon Adam hat bei Gott Vater der Eva Unrecht gegeben, weil sie ihm den Apfel – –«

»Helene! damit kommen wir nicht weiter! Sie können Thorald nicht heirathen –«

»Und warum?«

»Weil er unter vier bis fünf Jahren nicht im Stande sein wird eine Frau zu ernähren! Und bis dahin –«

Stumm kehrte Helene zu ihrem bei des Advokaten Eintritt verlassenen Platz zurück und nahm einen großen Folioband in die Hand, den sie vorhin durchblättert. »Sie vergessen, lieber Alslev,« sagte sie fest und ernst, »daß ich die jüngste von meinen Schwestern und von unserem Hause bin. Lesen Sie einmal hier –«

»Helene!«

Sie warf sich schluchzend in seine Arme. »Helfe mir Gott, Vater, ich kann und darf nicht anders! Haben Sie denn wirklich den Muth mir zu befehlen, gar nicht – auch nicht vier, fünf Jahre glücklich zu sein?«

Sie herzte und küßte den guten alten Herrn, bis ihm die Perrücke ganz schief stand; verlegen rückte er sie zurecht und rief halb ärgerlich und halb gerührt, indem er schnell seinen bestaubten Pergamentband in die Registratur einrangirte, »meine Bücher zu nehmen, meine Notizen! Helene! Helene!«

Als er aber umsah, war sie längst verschwunden.