»Ja! ich besinne mich,« sagte einer der jüngeren Söhne, »Ihr kommt aus Island, eines schweren Prozesses wegen; eine herbe Klage war's, die Ihr dem Vater übergabt!« –

»Käme er nur selbst, der liebe theure Herr!« meinte der Pfarrer, den die Freude jung und lebendig machte, »daß ich ihm danken könnte und ihn begrüßen aus Herzensgrund.«

Die Mutter führte nun Kinder und Enkel auf, eins nach dem andern; immer entzückter wurde der Alte, verwechselte aber doch noch oft die Enkel mit jenen, weil sie »so gar prächtig herangewachsen!« Die älteren Fröken waren auch hinzugetreten, der gute Mann kannte sie gleich; außer sich war die kleine Nordermule, die er fast vergessen, nur besann er sich noch, zum höchsten Glück! »Ich war ja damals mit dem Fröken Amalie hier, wie konntet Ihr nicht gleich meiner Euch erinnern,« klagte sie; »doch erzählt uns nur, woher Ihr nach so langen Jahren endlich kommt, fast seht Ihr aus wie damals, als wir von Euch Abschied nahmen – –«

»Es war am Abend vor dem Johannisfeste,« sagte der Pfarrer, »o ich weiß Alles noch!« er nahm sein altes Büchlein wieder aus der Brusttasche; ein Stammbuch war es, wohl an fünfzig Jahr alt! »Da, da steht Ihr Alle!« jubelte er auf, »Frau Alslev und Janfru Sophie, Janfru Fredrika.«

»Bitte zu sagen: Frau Amtmännin Solwig,« lachte die kleine Frau –

»Schön, schön,« erwiederte der Alte, »damals aber durfte ich mir die Janfru nur unter diesem Namen mit fortnehmen, in meinen Erinnerungen; sie war eben zwei Jahre alt, und ich führte ihr die Hand, ja, ja, bis auf das kleinste Kind hat jedes hier mir sein Kreuzlein hingemalt, wenn es noch nicht zu schreiben verstand, in das Gedenkblatt der Familie des edelsten Menschen, den ich je gekannt!« – »Ach, auch ich weiß jetzt wieder Alles,« versicherte Sophie, »es war Frühling, den Abend hattet Ihr uns von den Pilgerwallfahrten zu den Quellen und ihren guten Geistern erzählt, wie sie in der Johannisnacht unternommen werden müssen, und von den kleinen Engeln, welche sie bewachen; dann schrieben wir uns ein, Ihr hattet das Büchlein noch aus Euren Studentenjahren; das sind schon fünf und zwanzig Jahr?«

Und Kopf an Köpfchen drängte sich zum vollen Kranz um die hohe Lehne des Sessels, zu welchem die Mutter den vor Freude an allen Gliedern Zitternden geführt, »ja, ja!« rief er aus, »das ist das Büchlein,« und Schwarz- und Blauäugelein schaute ihm über die Schulter auf die beschriebenen Blätter, »das ist Großvaters Hand,« – »dies Mutters Schrift!« »Hier bin ich!« rief ein Drittes, »hier Fröken Amalie, Annette!« »Nur ich bin nirgends,« sagte fast traurig Helene! –

»Kind,« erwiederte lachend die Nordermule, »Du warst noch nicht einmal geboren!« »Die Gräfin Gejern wie sie leibte und lebte!« schaltete der Pfarrherr ein, und schaute wohlgefällig das schöne Mädchen an, – dann fuhr er fort, »es gab mir selbigen Abends, ehe ich von dannen zog, der hochverehrte Herr Alslev noch ein gar schönes, werthvolles Geschenk.« –