Die Königin ward bis an die Stirne roth und stampfte mit dem Fuße: »wer hat mir das gethan? il me le payera!« setzte sie zwischen den Zähnen murmelnd hinzu. Die beiden Grafen schwiegen. »Nun, meine Herren? Graf Schak-Reventlow? Darf ich um die besonderen Verdienste des alten Informators oder seines Fürsprechers bitten? Sie werden doch dessen Licht nicht unter den Scheffel stellen wollen?«
»Ma foi, Madame,« sagte der Graf, »es ist mir bloß klar, daß Graf Christian Gejern Alles gegen den jungen Eynerssen und für den Klint gethan; Ew. Majestät werden geruhen sich zu erinnern, daß der Graf alle Offerten der königlichen Huld stets abgelehnt – diese Besetzung der Akademiestelle war eine von ihm erbetene Gnade – die aller Erste! Es war unmöglich ihm nicht zu willfahren und Se. Majestät der König, welcher ihm von der Bauernsache her noch immer gewogen, unterschrieb sogleich – –«
»Allerdings sind des Grafen Gejer Verdienste bedeutend,« erwiederte gewaltsam gefaßt die Königin; ihr Auge flammte und in den Mundwinkeln zeigte sich das Lächeln höhnischer Verbitterung, »ich werde morgen mit dem Könige sprechen.« Mit einer anmuthigen Bewegung des Hauptes und der linken Hand entließ sie die beiden Herren – Eynerssen stand noch ihres Befehles gewärtig nahe am Ausgang. Juliane wandte sich nach der inneren, zu ihrem Cabinet führenden Thüre, »bleibe Er und erwarte Er mich hier, mein Sohn,« sprach sie mit gnädigem Kopfnicken, »es wird sich wohl in meiner Armuth irgend ein Mittel finden, ihn zu lohnen.«
Rasch schritt sie durch ihr Schreibe-Cabinet in das Zimmer, in welchem sie schlief, eine ihrer vertrauten Kammerfrauen arbeitete dort mit einem Hoffräulein, Sophie Harrested. »Kennt eine von Euch,« fragte Juliane, »die Verhältnisse der Gräflich Gejerschen Familie?« Beide hatten bei Eintritt und Anrede der Königin sich ehrfurchtsvoll erhoben. Das Fröken erzählte von den Hochzeiten, den Ausstattungen der beiden Neuvermählten. »Schon gut, das haben wir selbst erlebt.« – »Die Gräfin?« Niemand kannte sie. »Kinder?« – Keine. »Die dritte Comtesse ist also die junge Stiftsdame von Wallöe, von welcher dies Schreiben,« sagte die Königin vor sich hin, »und der Graf will die glücklich genug fruchtlos gebliebene Mißheirath durch einen glänzenden Stammerben auslöschen; der eine Bruder kinderlos, wie er – der jüngste kränklich – keine Kinder zu hoffen. Da rechnet man auf Uebertragung des Namens. – Weiß Jemand von der jüngsten Comtesse?« Die Kammerfrau kannte die Familie Alslev und floß über vom Lobe Helenens. »Keine Aussicht zur Heirath, nicht verlobt?« Beide Erzählerinnen stockten – endlich fuhr die Harrested fort – »man hat von einer großen Leidenschaft der Comtesse für einen jungen Bürgerlichen gesprochen, allein das Betragen derselben ist so in den strengsten Regeln des Schicklichen geblieben, daß Niemand den Gegenstand dieser Neigung kennt.« – »Schon gut,« sagte die Königin, »Ihr könnt gehen;« sie stand auf und rief, indem sie selbst die Thüre öffnete, den jungen Mann in ihr Cabinet.
»Mit der Professur ist's wirklich nichts, junger Freund,« redete sie ihn an; »danke Er Gott dafür! Er ist also in die Comtesse Gejern verliebt?« – Wie vom Blitz getroffen schwankte der Künstler auf den Füßen, die ihn nicht zu tragen vermochten, er taumelte rückwärts gegen die Wand, keines Wortes fähig – »nun, nun!« lächelte die Königin, »die Liebe an und für sich, wenn sie in den Grenzen der Zucht und Ehrbarkeit bleibt, ist eben kein Todesverbrechen. Fasse Er sich – und antworte mir klar und vernehmlich.«
»Ich liebe die Gräfin mehr als mein Leben,« erwiederte stolz und fest der junge Mann, »wenn aber mein Gefühl das Elend der Comtesse herbeiführen könnte, würde ich den Muth haben, Kjöbenhavn sogleich zu verlassen.«
»Ja? was ist denn seine Absicht? daß die Comtesse auch Ihn sehr schätzt, weiß ich; wollte er deshalb Professor werden?«
»Ja, Ew. Majestät; ich betrachtete diese Anstellung als den ersten Schritt, um der Gräfin würdiger gegenüber zu stehen, wenn ich auch kein anderes Ziel an diese Aussicht zu knüpfen wagte.«
»Und der Graf Christian weiß um diese Neigung?«