»Leider! da er sie verdammt!«

»So, so,« sagte die Königin für sich, »ich will ihn lehren eigenmächtig handeln!« Sie ging an den Schreibtisch und unterschrieb Helenens Petition, durch welche sie ihr gestattete, ohne Einwilligung ihres Bruders sich zu vermählen. »Lese er das.«

Der Glückliche lag, ihr Gewand an seine Lippen drückend, zu ihren Füßen. »Aber höre Er, meine Bedingung! ich will keine Auswanderung unserer Landeskinder; daß wir in der Fremde etwas Tüchtiges zu lernen suchen, ist schon recht, allein man soll Dänemark nicht die Früchte des Erworbenen entziehen. Man wird sich Eurer annehmen! Ich bin Ihm das Honorar für die Bilder schuldig – und – Ihr könnt im Cavalier-Hause wohnen, fällt mir ein! Sagen Sie dies Alles der Comtesse und vergessen Sie nicht, daß wir in Gnade Ihnen Beiden gewogen bleiben!« setzte sie plötzlich französisch hinzu; trotz der innern Heftigkeit, welche ihre rasche Handlung herbeigeführt, machten deren Folgen sie bereits verlegen.

Ein reitender Bote brachte den Befehl der Königin nach Wallöe, das sogenannte Cavalier-Haus der Gräfin Gejer zur Verfügung zu stellen und mit diesem zugleich Helenen die Erlaubniß zu ihrer Vermählung. – Thorald erhielt noch am selben Abende eine für die Privatkasse Julianens sehr bedeutende Summe als Bezahlung der Gemälde.

Christian war wie vernichtet! Helene nahm sogleich die ihr zufallenden 10,000 Thaler in Beschlag und ihren Antheil an der Tante Mitgift. Ohne weiter ein Wort zu verlieren, sandte der Graf Alslev alle nöthigen Papiere, sowohl zu Auszahlung der seiner Schwester aus ihrem gemeinsamen Vermögen zufallenden Dot, als zu jener der Gräfin Owen; als er das Paket siegelte überfiel ihn eine an Ohnmacht grenzende Schwäche – mit gewaltsamer Anstrengung drückte er sein Wappen auf dasselbe. – »Man wird es zerbrechen!« sagte er leise vor sich hin, dann zog er sich in seine Zimmer zurück und begrub sich in seinen Studien.

Gar anders sah es in Wallöe aus. Von allen Seiten zog die Freude ein. Der Königin so bestimmte Bestimmung schloß alle böswilligen Bemerkungen aus – selbst die sieben Mogenstrupps wagten nur orcanische Seufzer. Im Cavalier-Hause regte sich ein gewaltiges Leben, es wimmelte von Arbeitern; da wurde tapeziert und gezimmert, angestrichen, gemalt, geschmückt, und die Liebe half überall der Liebe! denn Thorald war selbst von Kjöbenhavn herüber gekommen, Helenen beizustehen.

Das Cavalier-Haus, ein freundliches, kleines Gebäude aus der nämlichen Zeit als das Stift; rings von einem Blumengarten umfaßt, lehnt es an einem mit Buchen schön bewaldeten Hügel; diese herrschaftliche Wohnung wurde von Alters her bei Regulirung der Gesammt-Einkünfte desselben von den dabei beschäftigten Herren eingenommen, wenn sie zu einem längern Aufenthalt in Wallöe veranlaßt wurden. Auch die Königin bediente sich ihrer früher gern, wenn sie um die Osterzeit einige Tage in der von ihr bevorzugten Stiftung zubrachte, um die sie begleitenden Cavaliere unterzubringen, wodurch das freundliche Schlößchen den ihm anhangenden Namen erhielt. Seit Jahren war Juliane Marie nur auf einzelne Stunden in ihr Ordenshaus eingekehrt; der hübsche Bau hatte verödet dagestanden.

Wer hat nicht irgend einmal mit Vergnügen zugesehen, wenn Kinder Wirthschaft spielen? Wenn sie auf Blumenblättern statt auf Tellern serviren? Des Vaters goldne Dose und der Mutter Schmuck zu Küchengeräth machen, und lauter Bisquit und Bonbons kochen? Nicht sehr viel anders war der Brautleute Einrichtung, weil Jedes das Andere mit noch einer ganz einzigen Herrlichkeit und Bequemlichkeit überraschen wollte. Es wurde Alles phantastisch-schön und nebenbei sehr kostbar; aber es war dem Geschmack Beider vollkommen analog, und wurde dadurch wieder ein Beider Leben enger verflechtendes Band.

Man hatte dergleichen nie in der Gegend gesehen, halb Kiögge ritt und fuhr herbei, das Wunder zu schauen. An einem wunderschönen Spät-Herbstmorgen ward die stille Trauung vollzogen; keiner der drei Brüder war zugegen, die Schwestern schrieben freundlich und sandten Geschenke. Alslev kam mit seiner Familie – er hatte Helenen zur Oeconomie ermahnen wollen; als er aber in dieser Mischung von englischem Cottage-Comfort und italienischer Villa und französischer Eleganz das glückstrahlende Gesichtchen Helenens sah, verschob er es auf ein andermal. Der isländische Pfarrer hatte eine rührende Botschaft gesandt und die Versicherung: er werde bei seiner Rückreise bei dem neuen Paare einkehren; ihn hielt die bereits geschlossene Schifffahrt noch in Dänemark zurück.