»Also – was hast Du denn eigentlich beschlossen?«
»Mich durchzuarbeiten. Ich werde Medicin studiren, werde mich auf die Augenheilkunde verlegen, werde in orientalischen Ländern meinen Wirkungskreis suchen und sicher – ganz sicher wird meine Kraft und meine Begeisterung mich dahin bringen, daß ich tausende und abertausende mittelmäßiger Männer, träger gewissenloser Aerzte überflügeln werde und weit hinter mir lassen werde. Ich dem Namen Ehrhardt in der wissenschaftlichen Welt Glanz und Ansehen schaffen – ich – aber niemals wird Dir das gelingen.«
»Und das alles mit der Hälfte eines väterlichen Erbes im Betrage von viertausend Mark?«
»Ich weiß nicht womit, aber ich will es, und was ich will, das führe ich durch. Ich werde entbehren und arbeiten, aber ich werde siegen.«
»Dann werde ich eben kein Specialist. Mein Gott, auf den Knieen werde ich Dich nicht anflehen, mir die Wege zu ebnen.«
Er ging wüthend hinaus. Sie blieb zurück mit einem glücklichen, stillen Lächeln. Aus ihren Augen strahlte das Genie, das sich immer Bahn bricht im Leben. – – Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg!
II.
Cäcilie Ehrhardt war als Zwischendeckspassagier ausgewandert.
Freilich, eine fatale Woche. Sie, die sonst wenig Sinn für poetische Werke hatte, hielt sich in diesen zehn Tagen immer wieder das Shakespeare'sche Wort vor die Seele: »Die Stunde rollt auch durch den schwersten Tag.« Es wurde ihr Leitstern, beinahe ihr Halt dieses Wort: »Die Stunde rollt auch durch den schwersten Tag.«
Weiber und Kinder, die viel schwächer waren wie sie, ertrugen diese Ueberfahrt in diesem Raume. Sie glaubte wohl etwas Besseres zu sein wie diese, weil sie ein höheres Streben besaß, aber gerade deßhalb hielt sie sich auch für berufen zu zeigen, wie man Widerwärtigkeiten und Unbequemlichkeiten erträgt.