Ein paar kluge, graue Augen funkelten hinter schwach geschliffenen Brillengläsern. Höchst unangenehme, scharfe, forschende Augen. – Herr Schäffer fühlte gar keine Neigung, irgend eine Prüfung vor diesem Blick zu bestehen. In gleichgültigem Nachgeben kam er ihren Wünschen entgegen.
Den Befähigungsnachweis zum Besuche der Universität bestand sie glänzend, so ließ man sie zu – du lieber Gott, eine Ueberspannte, Emancipirte mehr als bisher. –
Mit einer Arbeiterin, die Tags über in einer Fabrik Cigarren wickelte, miethete sich die Studentin zusammen in einer Dachkammer ein. Die Mitbewohnerin war nur in der Nacht da, so störte sie wenig.
Cäcilie verlangte für sich das Recht, so lange, wie sie wollte, Abends Licht zu brennen. Da hatte die Andere nichts dagegen; sie ihrerseits verlangte gar nichts.
Aber das war nur Schein. Schon nach wenigen Tagen brachte Henriette Abends einen Kameraden mit aus der Fabrik, und Beide profitirten von der Studirlampe der Anderen.
Was das für ein Lachen und Kichern, für ein Küssen und Liebkosen war – gräßlich – Cäcilie Ehrhardt wußte sich nicht anders zu helfen, als einen Ofenschirm neben sich zu stellen und sich so zu isoliren.
Das zärtliche Liebespaar aber sah mit innigem Mitleid auf die einsam Arbeitende hin.
Schließlich ließ Charley sich durch sein gutes Herz hinreißen, ihr ein höchst eigenthümliches Anerbieten zu machen.
Mit Henriette im Arm stellte er sich neben Cäciliens schützende Schirmwand und trug ihr stockend und zagend vor, in seiner Fabrik da wäre ein Werkführer, der wäre Wittwer, hätte auch ein paar Kinder, aber doch wohl ein ganz annehmbarer Mann, der eine brave, fleißige Frau gerne nehmen würde. Nun könne sie, Fräulein Ehrhardt, ja am Ende keinen verliebten Jüngling beanspruchen, wäre vielleicht auch schon ein bischen darüber hinaus, aber doch – sozusagen –
Cäcilie begriff. Einen Mann – aus Gnade und Barmherzigkeit bot man ihr, der Tüchtigen, Häßlichen, einen Mann an, der nicht Liebesgetändel suchte, sondern der eine thätige Frau brauchte!