Die erste, vielleicht im Leben die einzige Möglichkeit für sie, den Beruf der Frau als Gattin und Mutter zu finden! –
Die gesellschaftliche Zumuthung, daß man ihr, der Tochter des Medicinalrathes Erhardt anbot, einen Fabrikaufseher zu heirathen, die verletzte sie nicht. Was mochten die Liebesleute dem guten Manne von ihr vorphantasirt haben! Aber sie fühlte den Beruf zur Gattin und Mutter nicht in sich. – Es ist doch auch nicht jeder Mann geeignet, Vaterpflichten zu übernehmen, und nicht jedes Weib für Mutterpflichten geschaffen.
Sehr kurz, sehr kalt lehnte sie ab, auf's Innigste bedauert von dem jungen Paare, das nichts Anderes kannte, als seine Liebe.
Ihr Leben war aber furchtbar hart auf diese Weise, denn in den ersten beiden Jahren ihres Studiums machte das Arbeitspensum, das sie zu erledigen hatte, es ihr unmöglich, sich irgend einen Erwerb zu suchen.
Sie mußte leben wie eine Arbeiterin, schlechter wie eine solche, wenn sie zum Ziele kommen wollte.
Henriette und Charley amüsirten sich Sonntags, aßen und tranken wie Kinder, die plötzlich Geld bekommen haben und nicht wissen, wo sie es lassen sollen. Sie sprachen täglich von ihrer Hochzeit und heiratheten nie.
Cäcilie lebte Sonntags nicht besser wie Werktags und nahm nichts von dem an, was die Anderen ihr anboten.
Die arme Person!
Was das Leben wohl für einen Werth haben soll, wenn man es garnicht genießt! –
So philosophirte das Liebespaar; Cäcilie aber arbeitete weiter allein, immer allein.