An keinen Menschen in Deutschland hatte sie geschrieben, keiner an sie.

Sie war wie todt für die Welt.

In Universitätskreisen hatte sie auch keinen Anschluß gefunden, keinen gesucht.

Die jungen Studenten amüsirten sich wie Kinder über die paar häßlichen Mädchen, die mit wahrem »Biereifer« die Vorträge nachstenographirten, um sie zu Hause auszuarbeiten. Cäcilie war von diesen die eifrigste. Sie versäumte keine Vorlesung – sie arbeitete immer, immer.

Arbeiten und darben! Für die Blüthe einer Jungfrau ist das nicht grade günstig.

Mädchen blühen auf wie Maienrosen, tändeln, lachen und finden ihre letzte Entfaltung, ihr süßestes Geben erst in dem Verkehr mit dem Manne, in dem Widerstreben und Hinneigen seiner Werbung gegenüber und dann im Gewähren.

Bete und arbeite! Keusche Mädchen blühen auf wie Lilien, dienen dem Nächsten und geben sich in süßer Schwärmerei ihrer Gottheit.

Cäcilie achtete die Gottheit, soweit ihr deren Cultus vernünftig und zweckmäßig erschien. Sie achtete auch den Mann, wenn sie ihn streben, arbeiten, nützen sah, aber sie dachte nicht daran, sich selbst zu geben, weder Gott noch den Menschen.

Wer hätte denn wohl auch den Wunsch gehabt, sie zu besitzen!

Sie sah nichts vor sich, als die Nothwendigkeit, Andere bei Seite zu schieben, um für sich selbst Platz zu gewinnen.