In der Ferne, in gar nicht allzuweiter Ferne sah sie die Möglichkeit, daß sie einmal nicht mehr arbeiten würde, um zu leben, sondern um zu nützen. Nicht sich selbst – Andern, das war ihre Religion und ihre Liebe. Das richtete sie auf, wenn sie in schwachen Stunden sich fragte: Wozu? – wozu dieser Kampf, diese Arbeit, dieses Entbehren? –
Sie hörte auf, ein Weib zu sein und konnte doch kein Mann werden. Ein unhaltbares trostloses Wesen! Aeußerlich wenigstens, innerlich blieb sie jungfräulich keusch, nur vielleicht ein wenig zu herb. –
Sie sah Andere neben sich untergehn. Mit derselben Gluth, wie sie, hatten sie angefangen, aber sie hatten nicht dieselbe Ausdauer gehabt.
Ein Mann drängt sich in die Gedankenwelt, in das Innenleben des Mädchens. – Ein kurzes Widerstreben, ein kurzes Gewähren und dann die Erkenntniß! –
Die Erkenntniß war, wo sie auch hinblicken mochte immer das Ende des Genusses.
Nach der Erkenntniß kam, wie bei dem ersten Menschenpaare, der ewige Fluch: Mit Schmerzen sollst Du ihm Kinder gebären. –
Viele junge Studentinnen mußten die Universität verlassen. Sie versanken in einem Abgrund, dessen Tiefe dem guten Herrn Schäffer so räthselhaft schien.
Andere verirrten sich in die Politik. »Gleichheit, Gleichheit« – was sollen wir darben, wenn Andere genießen dürfen?
Anstatt eine vernünftige, mit logischer Folgerichtigkeit und Nothwendigkeit sich vollziehende gesellschaftliche Umwälzung abzuwarten, stürmten und drängten sie dem Anarchismus entgegen.
Sie vergaßen, daß sie doch selbst persönlich danach strebten, die Zugehörigkeit zu einem Stande zu erlangen, der seinerseits den privilegirten höheren, den sogenannten »besseren Ständen« sich zurechnete.