Sie gingen unter – der geheimnißvolle, unergründliche Abgrund nahm sie auf.

Die Reihen lichteten sich, dem Ziel strebten nur noch Wenige entgegen, aber Cäcilie Ehrhardt war unter ihnen.

Einmal fühlte sie sich krank. Der vom Vaterhause her an bessere Kost gewöhnte Körper versagte, als ihm bei dauernder geistiger Anspannung, bei nie unterbrochener Arbeit stets nur solche Speisen zugeführt wurden, die zu einer geeigneten Ernährung nicht ausreichend waren.

Cäcilie empfand nach und nach einen kaum zu überwindenden Widerwillen gegen die billigen groben Nahrungsmittel, zu denen sie sich zwang, so lange sie von dem Gelde leben mußte, das sie nach Amerika mitgebracht hatte.

Mit eiserner Willenskraft überwand sie diese Abneigung, berechnete genau, wieviel Eiweiß, wieviel Zucker, Stickstoff etc. ihr Körper täglich bedürfe, wog das Betreffende ab und schluckte es widerstrebend hinunter.

Ihre Magennerven lieferten ihr bald den Beweis, daß der menschliche Körper keine chemische Retorte ist.

Todtelend, fiebernd blieb sie eines Tages auf dem harten schmalen Bette in ihrer Dachkammer liegen, und die gute Henriette stand händeringend dabei.

Ohne sich die Sache wissenschaftlich erklären zu können, fühlte die Arbeiterin heraus, daß ihr »Fräulein« sich wohl erholen würde, wenn sie sich einmal erlaubte, gut zu leben.

Sie holte ein ordentliches Stück Braten aus einem benachbarten Restaurant und besorgte auch Wein.

Cäcilie konnte nicht widerstehn, mit der Gier des Verhungernden griff sie nach den Nahrungsmitteln, deren Genuß sie an das Elternhaus, an die Heimath erinnerte.