Dieser eine Krankheitstag war für sie wie ein Feiertag, ein von der Natur ihr aufgezwungener Tag der Ruhe.

Sie wollte keinen Sonntag, keine Erholung als nöthig anerkennen. Jetzt mußte sie lernen, daß der Durchschnittsmensch neben der Arbeit auch die Erholung haben muß, wenn er nicht zu Grunde gehn soll.

Es war ein Ruhetag, ein einziger ganz vollkommener Feiertag, ohne Arbeit, ohne Denken, ohne Kampf.

Am folgenden Tage raffte sie sich mit Gewalt wieder auf und arbeitete weiter.

Sie bestand ihr erstes ärztliches Examen mit Auszeichnung.

Aber es lag noch ein Studienjahr vor ihr, das ihr schwer werden mußte, weil ihre Mittel beinah zu Ende waren.

Man hatte an der Universität ihr heißes ernstes Ringen erkannt. Nach und nach, zögernd und unwillig fingen die Professoren an, in ihr eine der wenigen »Gleichberechtigten«, eine Ausnahmenatur zu erkennen.

Es gelang ihr, bei einem sehr gesuchten Frauenarzte täglich einige Stunden Beschäftigung zu finden.

Das war der erste Erwerb. Vorläufig aber erlaubte sie sich noch nicht, daraufhin ihre Lebensweise zu ändern, denn sie hatte noch ein Examen vor sich und wünschte sich speciell in der Augenheilkunde auszubilden.

Aber sie fühlte doch nun Boden unter ihren Füßen.