So erwarb sie sich nach und nach einen geachteten Namen und ein weit über ihre Bedürfnisse hinaus gehendes Einkommen.
Ob sie glücklich dabei war oder nicht, wußte niemand zu sagen, denn niemals sprach sie von sich selbst, sie hatte überhaupt gar keine Privatangelegenheiten.
III.
Otto Ehrhardt hatte bald nach Cäciliens Abreise das Diakonissenhaus, an dem er angestellt war, verlassen.
Er bildete sich ein, die Oberin hätte die ihm vorgesetzten Aerzte gegen ihn eingenommen, aus Empfindlichkeit darüber, daß er ihrer Aufforderung nicht nachgekommen war und ihr seine Schwester Cäcilie nicht zugeführt hatte.
In Wirklichkeit lag der Gräfin eine solche kleinliche Uebelnehmerei fern. Sie dachte gar nicht mehr an Cäcilie Ehrhardt, die sie niemals gesehen hatte, aber sie behandelte Otto geringschätzig, weil es ihrem scharfen erfahrenen Blicke nicht entging, daß der junge Mann für seinen Beruf nicht begabt war und auch kein intensives Streben besaß.
Er witterte überall Intriguen, nahm es furchtbar übel, wenn bei einer wichtigen Operation ein jüngerer Assistent herangezogen wurde und versäumte dann aus Empfindlichkeit, wenigstens zuzusehen, um sich zu belehren. Eine gewisse natürliche Trägheit hinderte ihn, seine Studien fortzusetzen und sich den täglichen Fortschritten seiner Wissenschaft anzuschließen.
So suchte ihn niemand zu halten, als er ging. Er miethete sich zwei hübsche Zimmer, annoncirte in den Zeitungen und verdiente am Ende so viel in seinen Sprechstunden, wie seine Garderobe ihn kostete. Mehr aber nicht.
Keine einzige angesehene und zahlungsfähige Familie kam auf den Gedanken, ihn zum Hausarzt zu wählen. Er fing schließlich an, die Zeitungen durchzusuchen nach Annoncen, in denen Aerzte gesucht wurden, denen eine bestimmte Einnahme von vornherein zugesagt wurde. Er meldete sich überall, bekam auch oft Antwort, stets aber wünschte man – gewissermaßen als Zeugniß – ein empfehlendes Schreiben seiner früheren Vorgesetzten. Schließlich bemühte er sich um ein solches, aber es fiel so kühl und nichtssagend aus, daß es ihm wenig half.
Mehr und mehr schmolz die kleine Summe zusammen, die ihn erhielt. Er sagte sich, daß die Berliner Wohnung ein zu großer Luxus für ihn sei, und ins Blaue hinein fuhr er nach einer kleinen Stadt, miethete sich im Hotel ein und annoncirte in der Zeitung.