Es kamen arme Leute zu ihm und wollten Medicin kaufen; man hielt ihn nach diesem Vorgehen nicht für einen richtigen Arzt, sondern für einen Verkäufer irgend welcher Geheimmittel. Die Aerzte in der Stadt, denen er seine Visite machte, erwiderten den Besuch nicht. Er fühlte, daß er nach diesem Anfang im Orte unmöglich sei. Nach acht Tagen kam kein Mensch mehr zu ihm.
Kurz entschlossen setzte er sich ins Eisenbahncoupee und fuhr nach dem Rhein. In einer mittleren Stadt miethete er eine Wohnung, meldete sich ordnungsmäßig auf der Polizei an und annoncirte dann erst in der Zeitung. Man erwiderte seine Besuche. Ab und zu holte man ihn zu einem Kranken.
Hätte er diesen Weg doch gleich eingeschlagen, als er noch zweitausend Mark besaß! Bis die verbraucht waren, hätte er sich hier durchgearbeitet. Schon jetzt, nach zwei Monaten verdiente er etwas, aber ach, das väterliche Erbe war verbraucht, er stand vor dem Nichts.
Manchmal bezahlte man ihm eine Bemühung in der Sprechstunde oder einen Besuch, dann konnte er für einige Tage sein Mittagessen bezahlen, und der Wirth borgte wieder weiter. Jede kleine Einnahme legte er bei Seite, um am Anfang des Monats die Miethe entrichten zu können. Als dann aber der Zahlungstag kam, hatte er nur die Hälfte der erforderlichen Summe.
Der Hauswirth war gutmüthig, er versprach zu warten, er erbot sich sogar, seinen Miether bei seinen Bekannten zu empfehlen.
Wirklich brachte diese Empfehlung ihm Nutzen, er wurde zu einer schweren Entbindung gerufen, bei der außer ihm noch ein anderer Arzt zugegen war.
Drei Tage später war die Wöchnerin todt, das neugeborene Kind folgte ihr nach, und kein Mensch in der Stadt schob die Schuld auf den einheimischen Hausarzt der Familie, sondern jeder sah darin einen Beweis der Untüchtigkeit des unglücklichen Fremden.
Der arme Ehrhardt konnte im Grunde genommen garnichts dafür. Eine Reihe unglücklicher Zufälle war zusammengetroffen; sein Hauswirth aber, außer sich darüber, daß er einen solchen Mann empfohlen hatte, kündigte seinem Miether zum nächsten Termin.
Leerer und leerer wurde das Wartezimmer während der Sprechzeit. Ehrhardt verkaufte seine Uhr, um seine Miethe bezahlen zu können, als er auszog.
Seinen Wohnungswechsel zeigte er in der Zeitung an und seinen Mittagstisch suchte er in der Nähe der neuen Wohnung. Der Restaurateur, bei dem er früher gegessen hatte, borgte nicht mehr.