Das Blatt fügte noch hinzu, daß diese Anstellung der Dame Zeit genug lasse, ihre schon jetzt bedeutende Privatpraxis ausüben zu können.
Cäcilie! Also wirklich, sie hatte sich durchgearbeitet und hatte studirt mit derselben Summe, die ihm zugefallen war, als seine Studien vollendet waren und er sich nur noch eine Praxis zu suchen brauchte.
War es nicht eigentlich eine Schmach, daß er sich jetzt hinsetzte, um an sie zu schreiben und sie um Unterstützung zu bitten?
Zum Teufel auch, daran war er doch nicht schuld! Cäcilie wußte ja auch, daß in Deutschland der Beruf überfüllt war. Sie sollte ihm Reisegeld schicken, vielleicht fand sich auch für ihn in Amerika noch ein Wirkungskreis, der nur auf ihn harrte.
Rasch entschlossen schrieb er den Brief, gar nicht sehr sentimental, eher mit einem bitteren Humor gewürzt und schickte ihn ab.
Er überlegte, daß bis zum Eintreffen der Antwort aus Amerika mindestens drei Wochen vergehen würden, selbst wenn die Schwester sofort antwortete und sofort half.
Drei Wochen – wie sollte er leben, wie sollte er drei Wochen noch warten! Er besaß nichts mehr, es gab keinen Ausweg mehr als den, sich an die öffentliche Wohlthätigkeit zu wenden. Es gab doch Kassen, die dazu da waren, einen vollständig verarmten Menschen vor dem Hungertode zu schützen.
Mechanisch griff er noch einmal nach dem Zeitungsblatt, das die Notiz über Cäcilie enthielt. Ihr ging es also gut, nach deutschen Begriffen vielleicht glänzend und er – er wollte jetzt betteln.
Er sagte das Wort ganz laut vor sich hin, um sich an den Klang zu gewöhnen: – »Betteln, betteln.« –
Ein letzter innerer Kampf tobte durch seine Seele. Der ganze Hochmuth seines Wesens, die ganzen Prinzipien seiner Erziehung empörten sich in ihm, aber die Ueberlegung siegte, es blieb ihm nichts anderes übrig – – doch – eine Rettung – fast wäre er im Gebet niedergesunken vor Dankbarkeit und Freude über diesen Gedanken.