Er brauchte nicht zu betteln, noch nicht. – Es war ja doch möglich, daß ein College ihm auf diese Zeitungsnotiz hin eine kleine Summe leihen würde, wenn er nachwies, daß er sich um Unterstützung an die zahlungsfähige Schwester gewendet hatte.
Beinah leichten Herzens ging er aus, um diese Hilfe zu suchen.
Bald darauf stand er vor dem städtischen Kreisphysikus und trug diesem sein Anliegen vor.
Der ältere College war ein wohlwollender Mann, der in auskömmlichen Verhältnissen lebte. Er hatte aber zahlreiche Kinder, so daß er von seinen Einnahmen nichts übrig hatte. Grade in der letzten Zeit hatte er allerlei unvorhergesehene Ausgaben gehabt und so gern wie er der Noth des jungen Mannes abgeholfen hätte, sah er sich doch dazu nicht im Stande.
Es war ein entsetzlich peinlicher Augenblick für den Bittenden, das kühle ablehnende Achselzucken hinnehmen zu müssen, mit dem der vorsichtige Familienvater es ablehnte, sein Geld auf eine so unsichere Chance wie diese amerikanische Unterstützung hin, auszuleihen.
Als Otto Ehrhardt wieder auf der Straße stand, ohne einen Pfennig erhalten zu haben, sagte er, fast ohne es zu wissen, wieder das furchtbare Wort vor sich hin: »Betteln – betteln« –
Dann ging er weiter. Er suchte jetzt einen unverheiratheten Arzt auf, der gleichfalls für bequem situirt galt. Als er sein Anliegen vorgetragen hatte, lachte der etwas cynisch angelegte Junggeselle laut auf.
»Was – auf einen weiblichen Concurrenten hin soll ich Ihnen Kredit geben?«
»Wie denn nun, wenn Fräulein Doctor Cäcilie als echtes Weib es vorzieht, ihre Honorare in Toiletten und Brillanten anzulegen? Glauben Sie denn wirklich, bester Ehrhardt, daß diese europamüde junge Dame sich für Geld und gute Worte einen Bruder zu ihrem Schutze verschreiben wird, der« – –
»Sie kann doch ihren Bruder nicht verhungern lassen« –