Nun erfuhr sie, daß er ganz arm, ganz elend war. Nach seinem Verschulden würde sie sich vielleicht später erkundigen, aber zunächst würde sie helfen. Immer fester redete er sich das ein, immer gewisser rechnete er darauf.

So verging die Zeit, und das Darlehn des Dr. Brauer schmolz zusammen.

Schließlich erkannte der Wartende, daß er, selbst wenn er nur noch von Brod lebte, doch höchstens noch fünf Tage warten könne.

Auf der Post kannten ihn schon alle Beamten. In Zwischenräumen von wenigen Stunden kam er täglich mehrmals, um zu fragen, ob kein Brief für ihn da sei.

Er klammerte sich an die letzte Hoffnung des Lebens, er wollte nicht untergehn.

Und dann kam der Tag, an dem die letzte Brodrinde verzehrt, der letzte Pfennig verausgabt war. Er hatte mehrmals an Cäcilie geschrieben, sie hätte längst antworten können, wenn sie seine Briefe erhalten hätte.

Aus der Zeitungsnotiz, die ihm Kunde von der Schwester gebracht hatte, ging nur sehr ungenau deren Adresse hervor. Er hatte bei der Redaction angefragt, man hatte ihm Auskunft versprochen, aber diese Auskunft war noch nicht eingetroffen. Und jetzt war das Ende da, er stand vor dem Nichts. –

In dumpfer Verzweiflung saß er in seinem Sprechzimmer und wartete auf den Postboten. Auf Patienten zu warten, hatte er längst aufgegeben.

Es war aus mit ihm, er mußte es fassen, wenn er auch das Leben liebte, sich mit der ganzen Kraft seiner Jugend an das Leben zu klammern suchte, es war doch aus, da war nichts mehr zu machen.

Aber hier, in der unbehaglichen kalten Stube konnte er nicht bleiben. Er wollte sein Ende suchen, aber doch nicht hier.