Dann besaß er noch Klarheit genug, um sich zu sagen, daß er, ohne die Aufmerksamkeit der Leute auf sich zu lenken, nach seiner Wohnung gelangen müßte.
Er ging scheinbar energisch und sicher geradeaus.
Zuweilen hatte er aber das Gefühl, als weiche der Boden unter seinen Füßen zurück, so daß er in tiefe Löcher treten müßte. Dann hielt er sich ängstlich an der Mauer fest, wartete einen Augenblick und hastete weiter.
Die Vorübergehenden sahen sich zuweilen nach ihm um, dann empfand er etwas wie Furcht und strebte weiter.
So gelangte er schließlich in seine Wohnung. An der Schwelle seines dürftigen Zimmers empfing ihn seine Wirthin, die Wittwe Lorbeer.
»Morgen ist der Erste, Herr Doctor. Da man von Ihnen doch wohl keine Miethe mehr bekommen wird, so habe ich die Wohnung an einen anderen Herrn vermiethet, das wollte ich Ihnen nur sagen, Herr Doctor.«
Otto Ehrhardt lachte. »So, so! Sie haben schon wieder vermiethet? Nun, das freut mich,« sagte er.
Die Frau starrte ihn ganz entsetzt an. »Herr Du meines Lebens, nun betrinkt sich der Mensch wohl noch gar,« zeterte sie. »Morgen Mittag um zwölf muß die Stube geräumt sein, ich will anständige Miether haben. Mit Leuten, die sich betrinken, habe ich nichts zu thun, das merken Sie sich.«
Er steckte die Hände in die Taschen und stellte sich behaglich lachend vor das erboste Weib. »Ja, sehn Sie mal Lorbeerchen, das ist nun so ne Sache,« begann er – »so gewissermaßen ein Wettlauf« – »Schlafen Sie Ihren Rausch aus und dann packen Sie sich,« schrie die Wittwe.
Der grelle Ton, der Anblick des Zimmers, in dem er alle Qualen des hoffnungslosen Wartens durchlebt hatte, ernüchterten ihn plötzlich.