Der Kampf beginnt – aber die Kraft und den Muth und die Ausdauer hat das Weib. Der Vorsprung nützt dem Manne nichts – sie überholt ihn doch.

Sie siegt – sie siegt, sie erreicht das Ziel. Als ein Bettler sinkt ihr der Bruder zu Füßen und fleht um Erbarmen. Sie aber, die Schwester, das siegreiche, emancipirte Mannweib, stößt den Flehenden von sich. Er stürzt, und über seine Leiche schreitet die – – die Concurrentin, Fräulein Doctor Cäcilie Erhardt.«

Er schwieg. Frau Lorbeer aber war felsenfest überzeugt, daß ihr Zimmerherr trotz seiner gegentheiligen Behauptung betrunken sei.

Das, was er da erzählt hatte, war doch keine vernünftige Auskunft über eine, möglicherweise zahlungsfähige Verwandtschaft.

Kopfschüttelnd verließ die Vermietherin das Zimmer. Es gereichte ihr aber zur großen Beruhigung, daß sie bald darauf hörte, wie Otto Ehrhardt zu Bett ging. Ein Blick auf die Thürritze überzeugte sie auch, daß er das Licht ausgelöscht hatte.

Am anderen Morgen wunderte sie sich durchaus nicht, daß er bis in den hellen Tag hinein schlief. Sie wußte ja, daß er am Abend vorher ein Glas über den Durst getrunken hatte.

Gegen Mittag erschien der Geldbriefträger und verlangte Herrn Dr. Erhardt zu sprechen.

Die Lorbeer entschloß sich nun, ihren Miether zu wecken. Alles Klopfen und Pochen an der Thür war jedoch vergeblich. Zweifelnd sahen die Frau und der Beamte sich an.

»Was meinen Sie, Lorbeern, das Zimmerschloß ist nicht viel werth?«

»In Gottes Namen, drücken Sie's ein, er hat mir ja gesagt, daß seine Schwester die Kosten bezahlt, wenn was nöthig sein sollte,« sagte die Frau.