»Bitte, liebes Fräulein, besorgen Sie mir etwas Himbeerwasser,« sagte Lydia zur Bonne, dann setzte sie sich auf einem bequemen Gartenstuhl und nahm ihr zweijähriges Töchterchen auf den Schooß.
»Der dumme Onkel« sagte der kleine Knabe, sich jetzt auch der Mutter nähernd mit einem zornigen Blick nach der Thür, hinter der soeben Doctor Turnau verschwand.
»So etwas sagen artige Kinder nicht,« tadelte die junge Frau.
Jetzt erschien die Bonne wieder mit der gewünschten Erfrischung im Garten. Hinter ihr ging der Geheimrath Bremer, ein schlanker, eleganter Mann mit schon leicht ergrauendem, dunklen Haar.
»Wie kam denn dieser blasirte Turnau dazu, Dich zu begleiten?« fragte er, neben seiner Gattin Platz nehmend. »Er hält es doch sonst für tief unter seiner Würde, ein weibliches Wesen mit seiner interessanten Unterhaltung zu beglücken.«
»Ich traf ihn zufällig auf dem Kirchhofe, und wir unterhielten uns so angenehm, daß mir seine Begleitung natürlich erschien.«
»Wie kann dieser unnatürliche, gezierte Mensch eine vernünftige Frau angenehm unterhalten,« sagte Bremer beinahe ärgerlich. »Unter Männern ist seine Unterhaltung gar nicht geschätzt, das kann ich Dir sagen. Jung und sorgenfrei wie er ist, sucht er etwas darin einen Pessimismus zur Schau zu tragen, der eines Greises würdig wäre, dem alles im Leben gescheitert ist. Er leugnet jeden Genuß, jeden Glauben, er leugnet die Liebe, er widerspricht der Natur – – –«
»Mit einem Worte, er ist Dir unsympathisch,« unterbrach Lydia ihren Mann.
»Gewiß, das ist er mir und vielen anderen Leuten. Gefällt Dir zum Beispiel dieses Andeuten einer geheimnißvollen Krankheit, dieses Spielen mit dem Gedanken an Tod und Grab – – –«
»Vielleicht fühlt er die Annäherung eines Gemüthsleidens.«