Was mußte dieser, gesellschaftlich tief unter ihr stehende leichtsinnige junge Mensch von ihr denken – von ihr, die von dem eigenen Gatten, von allen Menschen, die sie kannte mit Auszeichnung behandelt wurde!
Sie ließ die Feder, die schon einige Striche gemacht hatte, sinken. Thränen stürzten ihr aus den Augen. »Ich kann es nicht.« –
»Dann müssen Sie aber eine Entziehungskur durchmachen, auf einmal kann man dem Morphium nicht entsagen,« erklärte der Apotheker. Dabei glitt etwas wie Freude über sein energieloses, junges Gesicht.
»Ich will aber garnicht entsagen,« schluchzte die junge Frau. »Das Gesetz soll mich nicht dazu zwingen, das Gesetz geht mich überhaupt garnichts an, ich thue nichts, was irgend einem Menschen in der Welt Schaden zufügen könnte.«
»Sie schaden sich selbst.«
»Das ist doch ausschließlich meine Sache. Nein diese Bevormundung ist wirklich empörend!«
»Wenn ich etwas bei Seite bringen kann, schicke ich es Ihnen in einem Briefcouvert,« tröstete er, ihr die zwei Gramm hinschiebend, die er besaß.
Sie steckte das Pulver ein und trocknete ihre Thränen. »Haben Sie keinen Bekannten, der mir helfen könnte?« fragte sie aufstehend.
»Vielleicht wäre das möglich,« sagte er nachdenklich. »Außer in Apotheken wird das Morphium in einzelnen größeren Droguengeschäften geführt. Dort darf allerdings nur der Besitzer die Recepte machen, die jungen Leute haben kein Examen gemacht und dürfen es nicht.«
»Ich mache mir ja die Lösung selbst zurecht, wenn mir nur jemand die rohe Waare verschafft. Können Sie mir wirklich niemanden empfehlen?«