Er sah sie an und ein müdes Lächeln erschien auf seinem Gesichte, die leichte Erregung der Sinne war schon wieder vorüber. »Bitte, meine gnädige Frau, verstehen Sie mich nicht falsch,« sagte er kühl.
Dann trat er an seinen Schreibtisch und nahm eine kleine Schachtel heraus, die er ihr gab.
»Hier sind zehn Gramm Morphium, Ihre Mischung wissen Sie sich ja zurechtzumachen. Beruhigen Sie sich jetzt, solche furchtbaren Aufregungen sind Gift für die überempfindlichen Nerven des Morphinisten.«
»O, Gott, wie edel Sie sind – ich danke Ihnen.«
»Nein, danken Sie mir nicht, ich werde Ihnen ein anderes Mal ein Recept geben, Ihre Lösung können Sie dann überall bekommen. Jetzt will ich Ihnen noch einmal das geben, was Sie gestern bekommen haben, damit Sie sich ganz beruhigen.«
Mit einem Seufzer der Erleichterung und Wonne empfand sie die Wohlthat, die er ihr zu theil werden ließ.
Sie fand keine Worte, um ihm zu danken. Schweigend ließ sie sich von ihm die Treppe herunterführen, schweigend stieg sie in den Wagen, der sie erwartete, dann ein Händedruck, und ein Blick, der dem erfahrenen Manne zeigte, was ihr Herz in diesem Augenblicke empfand.
Sie kehrte zurück zu Mann und Kindern, zurück in das Haus, dessen Herrin sie war. Wie gleichgültig war ihr das alles, wie wenig dachte sie daran, daß sie nahe daran gewesen war, als eine Unwürdige über diese Schwelle zu schreiten. Eine Fremde war sie in diesen kurzen Stunden ihrem Heim dennoch geworden.
Sie hatte nun Morphium, was ihr weder ihr Mann noch sonst jemand von ihren Angehörigen gönnte. Sie brauchte nicht mehr um den Erwerb des köstlichen Mittels zu zittern. Die tiefe Befriedigung und die wohlthätige Ruhe, die sie im Gegensatze zu dem bisherigen Leben der Aufregung und Angst jetzt empfand, dankte sie ihm, dem selbstlosen Freunde. Langsam nahm die Erinnerung an ihn, die Dankbarkeit, die Freundschaft und Hingabe, die sie ihm widmete, ihr ganzes Denken und Fühlen in Anspruch. Sie war nun zufrieden, sie war ruhig und still, er hatte sie glücklich gemacht. –