»Sechs,« gestand sie mit ängstlichem Zögern.

»Da steht Ihnen also noch manche herrliche Steigerung bevor,« sagte er seufzend und zog aus seiner Brusttasche ein kleines Glas. Wie wenig er ihr gab, das war ja fast nichts – ah diese Enttäuschung –! War das ein Scherz oder – – –

Da ging es wie ein Ruck durch all ihre Nerven – wie ein Schlag traf die ungekannt starke Lösung ihr Gehirn. Sie griff nach der Stirn und dann nach der Brust. Es rieselte ihr unter der Haut wie Sand, ein angstvolles Unbehagen erfaßte sie.

Er sah, wie kalte Schweißtropfen auf ihre Stirn traten und wie ihr Gesicht sich entfärbte. »Habe ich Ihnen zu viel gegeben, gnädige Frau?« fragte er.

»Nein,« stammelte sie halb bewußtlos, »bitte beobachten Sie mich nicht, es wird mir schon wieder wohl – sehr wohl. –«

Ihre Hände zitterten, wie sie das sagte, wie aus weiter, weiter Ferne hörte sie ihre eigene Stimme – die Steigerung des Genusses! –

»Ich schreibe ein Buch über den Mißbrauch der verschiedenen Narkotica und mache zu dem Zwecke meine Beobachtungen, bitte entschuldigen Sie daher den indiscreten ärztlichen Blick,« sagte er höflich.

»Ein Buch?« – Sie nahm alle Willenskraft zusammen, um zu sprechen, als sei nichts geschehen. Er sollte nicht denken, die Dosis sei zu stark für sie gewesen; sie wußte nicht, daß sie den Ehrgeiz, recht viel vertragen zu können, mit all ihren Leidensgenossen theilte.

»Ein Buch,« – wiederholte sie noch einmal langsam und mit schwerer Zunge. Es war ihr, als hätte sie Sand im Munde, sie konnte kaum sprechen, aber sie sprach nun doch. »Wollten Sie Ihrer ärztlichen Thätigkeit nicht entsagen, sagten Sie das nicht kürzlich?«

»Nein,« entgegnete er, »vorläufig muß ich noch als Assistenzarzt in der Nervenheilanstalt thätig sein. Ich habe keine Privatpraxis, und der Chef läßt mir so viel freie Zeit wie möglich. Er interessirt sich selbst für meine Arbeit, zu der mir meine Erfahrungen in seiner Anstalt den Stoff bieten. Nach Fertigstellung meiner Broschüre werde ich allerdings meine jetzige Stellung verlassen.«