Sie sah angstvoll zu ihm auf. »Lebte das Kind?« hauchte sie.

»Ja, es lebte, aber es war noch nicht lebensfähig, es ist nach einigen Stunden gestorben. Machen Sie sich keinen Kummer, das Unglück wäre größer, wenn Sie das Kind jetzt hätten.«

»Für dieses Leben ja,« erwiderte die Kranke, »aber Schwester Clarissa sagt, das Unglück in diesem Leben wäre ein Zeichen von der Liebe des Herrn.«

»Ach, das haben Sie falsch verstanden,« versuchte er zu trösten, »die Schwester hat gemeint, Sie möchten dem Kinde weiter nicht nachtrauern, nicht wahr Schwester Clarissa?«

»Ich meine, dieses Leben ist nur eine Station auf der Pilgerfahrt zur Heimath. Was wir hier erdulden, ist vergänglich; das unvergängliche Leid oder die ewige Freude beginnt erst nach dem Tode,« erwiderte sie.

Der Arzt sah sie mißbilligend an. »Schwester ich muß Ihnen, als Ihr Stationschef, dessen Gehilfin Sie sind, sagen, daß es nachtheilig für die Kranken ist, wenn Sie mit ihnen über den Tod sprechen.«

Die Schwester schwieg.

»Das hat die Schwester nicht gethan,« sagte Barbara.

»Nun, wovon ist denn aber die Rede?«

»Von dem Kinde, Herr Doctor. Sie haben das Kind gesehen, sagen Sie mir, o Gott ich beschwöre Sie bei allem, was Ihnen heilig ist, sagen Sie mir die Wahrheit, ist mein Kind vor seinem Tode getauft?«