Der junge Pole betrachtete mit Wohlgefallen die Gestalt des mit ärmlichem Putz gekleideten Mädchens.

»Ich heiße Schwarz,« sagte der Mann mit einer Sicherheit, als gebe ihm dieser Name ein Recht, hier zu thun, als sei er zu Hause.

Der Arzt wollte einen Scherz darüber machen, ehe er, wenn es nöthig werden sollte, grob wurde, aber die düstere Ruhe, die auf den Zügen dieses Mannes lag, fiel ihm auf. Er trat einen Schritt auf ihn zu.

»Was wollen Sie hier?«

»Ich will wissen, wo mein Weib begraben ist, das soll hier gestorben sein,« sagte der Mann und wie erklärend fügte das Mädchen hinzu: »Meine Mutter.«

»Soll? Ja wie ist denn das möglich. Kann es denn einen Mann geben, der nicht weiß, wo seine Frau begraben und gestorben ist?« rief Dr. Schlüter.

Der Vagabund schwieg.

»Nun?« fragte der Arzt noch einmal.

Der Mann suchte immer noch vergeblich nach Worten. Er hatte sich das einfacher gedacht, nach seiner Frau zu forschen, er hatte geglaubt, in der Klinik müsse jeder Mensch wissen, wer die Karoline Schwarz war, die hier starb, und ihn als ihren Mann erkennen.

Nun wußte hier niemand etwas davon, und dieser Herr Doctor hatte eine Art zu fragen, die ihn lebhaft an das Unangenehmste, was er kannte, an die Polizei, erinnerte. Es war ihm schon schwer genug gewesen, auf die Polizei zu gehen, um sich hierher schicken zu lassen, und nun mußte er es hier erleben, daß man, anstatt ihm Auskunft zu geben, Fragen über Fragen an ihn richtete.