Sie legte die griechische Grammatik, in der sie gelesen hatte, aus der Hand. Ein kurzer fragender Blick traf ihn durch die funkelnden Gläser ihrer Brille.

»Ich habe Dir wenig Erfreuliches mitzutheilen,« sagte sie. »Die Versteigerung des alten Hausrathes hat fast nichts ergeben. Luxusgegenstände waren, wie Du weißt, nicht vorhanden. Der Auctionator wird uns morgen Rechnung ablegen.«

Er nickte schmerzlich. »Ich habe von der Versteigerung nichts erwartet, aber wir müssen doch den Ballast los sein. Den Luxus pietätvoller Erinnerung können wir uns noch nicht erlauben.«

»Winsele nicht,« sagte sie schroff, und stand auf.

Die Lippen in dem gelben Gesicht waren breit und aufgeworfen, ein finsterer Zug lag zwischen den schwarzen Augenbrauen, die Nase war kurz und gewöhnlich geformt; das ganze Gesicht wäre häßlich gewesen, ohne den Ausdruck hervorragender Klugheit, der es belebte.

»Dir wenigstens werde ich sicherlich nichts vorwinseln,« gab er zurück, »aber ich wollte mit Dir über meine Zukunft sprechen. Meine Existenz liegt augenblicklich in Deiner Hand.«

»Bitte, erkläre Dich deutlicher.«

»Ich bin schon dabei. Vater hat schon seit Jahren nicht mehr prakticirt. Von seinen Zinsen konnten wir nicht leben, wir haben das Kapital verbraucht. Wenn ich den Rest überschlage, die Ausgaben abziehe, die Auction hinzurechne, so denke ich, es wird uns ein baarer Rest von viertausend Mark bleiben.«

»Wenig genug, aber es muß reichen, wir müssen uns einrichten, wir müssen Beide damit auskommen, bis wir uns frei gearbeitet haben.«

Auf dem feinen hübschen Gesichte des jungen Mannes malte sich lebhaftes Staunen.