Die Arten, denen Spatelhaare im Gesichte fehlen (africanus, cestonii, gracilis [?], brasiliensis), lassen sich gegenwärtig wohl nicht unter gemeinsamem Gesichtspunkte betrachten. [[52]]
Innerhalb des Genus Molossus bilden die Haare bei rufus, rufus obscurus und nasutus eine scharf begrenzte compacte Gruppe unterhalb der Nasenlöcher, bei abrasus und perotis nehmen sie ein längliches leistenartiges Feld zwischen ihnen ein.
Mit Rücksicht auf die Bezahnung werden Molossus rufus (und rufus obscurus) einerseits, abrasus und perotis andererseits verschiedenen Untergattungen (Molossus Ptrs. und Promops Gerv.) zugetheilt, und nasutus, der danach allerdings zu Promops gehört, ist doch in anderer Beziehung „quite intermediate between M. rufus and M. abrasus“ (Dobson, Catal. 1878, 415), so dass auch die dem Subgenus Molossus entsprechende Anordnung der Spatelhaare bei nasutus nichts Auffälliges hat.
Cheiromeles schliesst sich durch den Besitz des scharf begrenzten dreieckigen Feldes modificirter Spatelhaare an der Schnauzenspitze näher an Molossus als an Nyctinomus, und zu dieser Auffassung führt auch die Betrachtung der Gesammtorganisation des merkwürdigen Thieres (Dobson, Catal. 1878, 404).
Kann man, wie wir gesehen haben, mit ziemlicher Sicherheit annehmen, dass jedem Molossiden Spatelhaare (wenigstens an den Füssen, wenn auch nur in rudimentärer Form) zukommen, so bleibt die Frage, ob man diese merkwürdig geformten Haare als einen ausschliesslich den Molossiden eigenthümlichen Charakter betrachten dürfe. Ich bemerkte schon am Eingange der Abhandlung, dass ich ausserhalb der genannten Gruppe bei keiner Fledermaus solche gefunden habe. Immerhin hätten bei der nothgedrungen cursorischen Prüfung des reichen Materiales einzelne löffelförmige Haare der Beobachtung entgehen können, und die Chiropteren-Sammlung des Dresdener Museums weist natürlich auch manche Lücke auf, so dass diesem Punkte besondere Aufmerksamkeit zu schenken sein wird, ehe man ein abschliessendes Urtheil fällen darf.
Hierbei will ich besonders hervorheben, dass in der Dresdener Sammlung die den Molossiden nächstverwandte Gattung Mystacina Gr. (mit der einzigen Art tuberculata Gr.) nicht vertreten ist, und es auch nicht gelang, sie von anderwärts für diese Untersuchung zu erhalten. Es spricht aber manches, auch abgesehen von der nahen systematischen Verwandtschaft, dafür, bei dieser Art am ehesten solche Haare zu vermuthen.
Die Füsse der Mystacina (vgl. die eingehende Schilderung Dobsons, PZS. 1876, 488) sind wie die der Molossi breit, mit verdickter äusserer und innerer Zehe. Die langen gekrümmten Haare werden als fehlend angegeben, dagegen scheinen nach der Abbildung bei Dobson (PZS. 1876, 487, Fig. b.) die äusseren Seiten der ersten und fünften Zehe mit kurzen Härchen besetzt zu sein. Was das Gesicht betrifft, so finde ich bei Gray (Zool. Voy. Sulphur, Mammal. II. 23, 1843) eine vielleicht in diesem Zusammenhange zu deutende Bemerkung: „Nose rather produced, surrounded at the base with a series of short rigid bristles“.
Es wird sich also jedenfalls empfehlen, Mystacina in erster Linie auf das Vorkommen löffelförmiger oder ähnlicher Haare genau zu prüfen.
Sollte es sich durch weitere Untersuchungen endgiltig bestätigen, dass das Vorkommen löffelförmiger und verwandter Haare auf die Molossiden und etwa noch Mystacina beschränkt ist, so würde diese Thatsache im Vereine mit anderen vielleicht zu erwägen geben, ob nicht der Gruppe Molossi eine selbständigere Stellung im System, als besondere Familie, anzuweisen sein möchte. [[53]]