N. setiger (Ptrs.). „Die breite wulstige, aber nicht quergefaltete Oberlippe ist jederseits mit vier bis fünf Längsreihen kurzer stachelförmiger dicker Borsten bekleidet, zwischen denen sparsame feine kurze und längere Härchen hervortreten. Die Unterlippe zeigt noch kürzere und schwächere sparsame Borsten und Haare“ (Peters, Mb. Akad. Berl. 1878, 196; Taf. 1, Fig. 2–2 c). — Es scheint sich bei N. setiger um ähnliche Borsten wie bei brasiliensis zu handeln.
Hier wäre möglicherweise noch N. jugularis (Ptrs.) anzureihen, der nach der Abbildung bei Peters (M. B. Akad. Berl. 1881, 485, Taf. Fig. 2) auf der Oberlippe und auf der Schnauze oberhalb der Nase kurze Borsten besitzt. Doch ist die Synonymie der Art zweifelhaft. Peters hat sie 1865 aufgestellt [[51]](PZS. 468), Dobson 1876 (PZS. 734; auch Catal. 1878, 440) sie mit N. acetabulosus (Comm.) identificirt, dem sich Trouessart (Catal. Mamm. 1898–99, I, 149) anschliesst. Dagegen hat noch 1881 Peters (M. B. Akad. Berl. 483) dies nicht anerkannt, vielmehr N. jugularis mit dem später von Dobson (PZS. 1876, 733) aufgestellten N. albiventer für identisch erklärt. Ein Vergleich der Figuren bei Peters (M. B. Akad. Berl. 1881, 485, Tafel, 1 a und 2 a) mit denen bei Dobson (Catal. 1878, Pl. XXI, 5 u. 4) spricht mehr zu Gunsten der Auffassung von Peters. Einer vergleichenden Prüfung der vorhandenen Exemplare beider Arten muss es vorbehalten bleiben, die Sache klarzustellen.
Rechnen wir die zuletzt erwähnten 8–9 Arten den von uns untersuchten hinzu, so würden wir bis jetzt Spatelhaare oder stellvertretende Borsten bei etwas mehr als der Hälfte der bekannten Molossiden im Gesicht anzunehmen haben. Für ziemlich sicher können wir es halten, dass sie allen Arten von Molossus und Nyctinomus an den Aussenseiten der ersten und fünften Zehe zukommen, da die Verdickung dieser Zehen als allgemeiner Charakter der beiden Gattungen aufgeführt wird (vgl. Dobson, Catal. 1878, 404), die verdickten Stellen aber bei allen untersuchten Arten solche Haare tragen und durch die Anhäufung ihrer Bälge verursacht sind.
Erst nach genauer Kenntniss des Verhaltens sämmtlicher Arten wird es möglich sein, die Frage zu beantworten, ob diesen Haaren eine Bedeutung in systematischer Hinsicht beizumessen sei. Einiges lässt sich in dieser Beziehung indessen wohl schon aus den hier beigebrachten Beobachtungen entnehmen, worauf ich, vorbehaltlich der Controlle durch eingehendere an reicherem Material anzustellende Prüfung, jetzt im Zusammenhange kurz aufmerksam machen möchte.
Für jedes der drei Molossiden-Genera ist auch ein besonderes Verhalten der Spatelhaare charakteristisch. Alle besitzen solche an den Füssen, aber Cheiromeles, der auch im übrigen isolirter steht, nur an der ersten Zehe, Molossus und Nyctinomus an der ersten und fünften. Bei den von mir untersuchten Molossus-Arten sind Spatelhaare am Kopf ausschliesslich auf die Region zwischen den Nasenlöchern oder zwischen ihnen und dem oberen Mundrande beschränkt[29], bei Nyctinomus sind sie oder die entsprechenden Borsten fast immer auch über die seitlichen Parthieen der Oberlippe verbreitet.
Was die Ausnahmen betrifft, so kann Nyctinomus gracilis, bei dem ich solche Haare oder Borsten am Kopf überhaupt nicht mit Sicherheit nachweisen konnte, hier ausser Betracht bleiben, da mir von der Art nur éin Exemplar zur Verfügung stand, dessen Erhaltung nicht besonders günstig war, so dass die Untersuchung eines reicheren Materiales leicht zu anderen Ergebnissen führen könnte. Von dieser Species also abgesehen, bilden Nyctinomus norfolcensis, loriae und astrolabiensis eine Gruppe, für die bezeichnend ist, dass die Haare in einfacher Reihe zwischen Nase und Mundrand angeordnet und fast ausschliesslich auf diese Stelle beschränkt sind. Hierin ähneln die drei Arten den von mir untersuchten Molossi, bei denen nur nicht die Anordnung in einfacher transversaler Reihe vorkommt.
Nun steht N. loriae dem norfolcensis sehr nahe (Thomas, Ann. Mus. Genov. 38, 609, 1898), und dieser schliesst sich wieder zunächst an die Untergattung Mormopterus Ptrs. an, die in mehrfacher Hinsicht eine mittlere Stellung zwischen den übrigen Nyctinomus-Arten und der Gattung Molossus einnimmt (Dobson, Catal. 1878, 441–442). Auch N. astrolabiensis steht zu diesen Arten in näherer Beziehung (vgl. das von A. B. Meyer oben S. 19 Bemerkte).
Unter den übrigen Nyctinomus-Arten ist die Anordnung, Menge und Ausbildung der Spatelhaare sehr übereinstimmend bei plicatus, sarasinorum und bivittatus, von denen letztere beiden auch im übrigen gewissermaassen als celebensischer (A. B. Meyer, oben S. 17), bezw. afrikanischer (Dobson, Catal. 1878, 426) Vertreter des plicatus zu betrachten sind.
N. pumilus und limbatus, zwischen denen nach Dobson (Catal. 1878, 429) nur geringfügige Unterschiede von kaum specifischem Werthe bestehen, haben die Sonderung des Feldes unterhalb der Nase in eine obere und untere Abtheilung gemeinsam.