Ich habe den Beschreibungen Jentinks (l. c. 201) wenig hinzuzufügen. Der Stand und die Zahl der Haarwirbel variiren ausserordentlich, nicht ein Exemplar von den 6 des Museums stimmt darin mit den Leidener überein, und keines gleicht dem andern; es sind welche mit nur einem Wirbel vorhanden. Der helle Fleck unter dem Auge fehlt den Dresdner Weibchen nicht — es sind auch manchmal 2 Flecke vorhanden —, ebensowenig wie die hellen Binden an der Kehle und der Wamme. Der abgebildete Stier (grosse stehende Figur [Taf. VII]) ist heller gefärbt als die Kühe. Dr. Schadenberg schrieb mir, dass die Tamaraos dieselbe Farbe hätten wie die Carabaos. Das Exemplar des Berliner Museums ist nach Dr. Hellers Beobachtung länger (bis 4 cm lang) behaart. Das abgebildete weibliche Kalb mit Hörneransatz ([Taf. VII] und [Taf. VIII] Schädel) besitzt bereits die helle Zeichnung bis auf die Flecken unter dem Auge.
Maasse der 2 nach den Skeletten ausgestopften Exemplare:
| 2422 fem. | 2457 fem. | |
| Entfernung vom Vertex zum Anus | 1.670 m | 1.710 m |
| Kopflänge | 0.395 | 0.420 |
| Schulterhöhe | 1.000 | 1.110 |
| Hornlänge, in der Curve gemessen | 0.320–350 | 0.320–345 |
| Hornlänge, gerade gemessen | 0.300–315 | 0.290–300 |
| Abstand der Spitzen | 0.175 | 0.110 |
| Ohrlänge | 0.160 | 0.170 |
Auf [Tafel VII] ist in c. 1⁄12 n. Gr. ein adulter, aber noch nicht alter Stier (B 3198 stehend), eine alte Kuh (2422, liegend) und ein weibliches Kalb (B 3089) dargestellt. Man vergleiche mit der Abbildung des Stieres die der Anoa bei Schlegel (Handleiding Dierk. 1857 Atlas Pl. V Fig. 5 in 1⁄20 n. Gr.), um die Ähnlichkeit dieser beiden Zwergbüffel zu erkennen; auch die weisse Zeichnung stimmt überein, nur dass dem Tamarao der helle Längsstreif an den Beinen fehlt. Auf [Tafel VIII] Figur 1 findet man das Skelet einer alten Kuh (2457), als grösstes und ältestes von den vorhandenen 4 adulten, in c. ⅛ n. Gr., genau so gross wie das Skelet des Anoa-Stieres, das Heller (Abh. Mus. Dresden 1890/1 Nr. 2 Taf. III) in 5⁄32 n. Gr. abbildete, also direct damit vergleichbar. Es ist ferner auf [Tafel VIII] Figur 2 der Schädel des weiblichen Kalbes (B 3089) in ⅓ n. Gr. dargestellt. Das Museum besitzt, ausser diesem und den 4 der Skelette, noch 4 Schädel, davon 2 defect; im Ganzen 6 Häute, 4 Skelette und 5 Schädel (davon [[15]]einen durch Semper), aber Dr. Schadenberg beschaffte auch direct oder indirect das Material für einige andere Museen (z. B. Leiden und Stuttgart).
Es verdient erwähnt zu werden, dass unter den vier mir vorliegenden Tamarao Skeletten zwei weibliche (B 2852 und B 3088), wie das Leidener weibliche (Jentink l. c. 203 pl. 11 obere Figur), am ersten Lendenwirbel eine bewegliche Rippe haben, und zwar B 2852 rechts eine 34 cm, und B 3088 links eine 29 cm lange; beide Wirbel haben an der anderen Seite ein unbewegliches Rippenrudiment, und zwar B 2852 links ein 12 cm langes und B 3088 rechts ein abgebrochenes, dessen ursprüngliche Länge nicht mehr zu bestimmen ist. Ähnlich weist ein Skelet von Bubalus brachyceros Gr. vom Ogowe, West-Afrika (1510) zwei bewegliche, 13 und 15 cm lange Rippen am ersten Lendenwirbel auf. Dagegen sind zwei der Tamarao Skelette, ein Stier und eine Kuh, in dieser Hinsicht normal. Alle vier Tamarao Skelette haben 6 Lendenwirbel. Heller (Abh. Mus. Dresden 1890/91 Nr. 2 S. 18) giebt für Anoa auch 6 Lendenwirbel als Norm an, aber ein dem Museum inzwischen zugekommenes Skelet (B 2705 mas) hat 7, neben drei schon länger vorhandenen Skeletten mit 6. Alle vier Tamaraos haben 13 Brustwirbel. Anoa hat nach Heller (p. 19) 13, selten 14, die vier Dresdner Anoas haben 13, u. a. eine Holländer Kuh und ein Bubalus brachyceros 13, ein Wisent und zwei Bisons 14. Jentink giebt 18–19 Schwanzwirbel beim Tamarao an, zwei der Dresdner haben 17, eins 16 und eins ist defect. Die Excrescenzen an den proc. spin. der Brustwirbel, die Jentink erwähnt, finden sich auch an den Dresdner Exemplaren mehr oder weniger ausgebildet, aber nicht bei Anoa und anderen Büffeln (s. auch Heller p. 19).
Wie Heller (p. 32) schon anführte, kommen Tamaraos bei Sablayer an der Westküste Mindoros und bei Margarin an der Südküste vor. Dr. Schadenberg jagte sie bei Mambarao an der Nordküste (B 2890) und 2 Tagemärsche östlich von da (2422), sowie an der Laguna Nauján an der Nordostküste (2457 und B 3089, Kuh mit Kalb zusammen). Sie scheinen also über ganz Mindoro verbreitet zu sein. Unter dem 27. Mai 1895 schrieb er mir: „Ich habe an der Laguna Nauján eine Tamaraokuh mit Kalb geschossen. Ich wurde dann von einem Tamarao Stier angegriffen, auf den ich mit Explosionskugeln schoss. Es war Nachts, wir fanden ihn nicht gleich, sondern erst nach 2 Tagen, allein in kläglicher Weise durch vagabundirende oder wilde Hunde zerstört“. Das ist leider das einzige, was dieser unermüdliche Forscher und Sammler mir über seine Jagden auf Tamaraos in den Jahren 1894 und 1895 mitgetheilt hat. Schon früher war er einmal zu gleichem Zweck auf Mindoro gewesen. Jedenfalls hatte er spätere eingehende Schilderungen beabsichtigt, allein er holte sich auf einem dieser kühnen Züge im Jahr 1895 in den ungesunden Niederungen ein perniciöses Sumpffieber, das seinem Leben ein frühzeitiges Ende bereitete, ein ausserordentlicher Verlust für die weitere Erforschung der Philippinen (wie ich an anderer Stelle darthun werde), ein unersetzlicher für seine Familie und seine Freunde.
[1] Nach Blyth (l. c.) heisst der Banteng auf Borneo Tambadao. [↑]
[2] So beschreibt auch Heude (Mém. H. N. Chin. II, 4 p. 205 Anm. 1 1894) einen Bubalus mainitensis von Nord Mindanao, sagt aber selbst: „Ce Buffle est actuellement entièrement domestiqué.“ Heude ist hier ebensowenig ernsthaft zu nehmen, wie wenn er z. B. 3 „Arten“ von Sus aus einem Walde bei Jalajala aufstellt (l. c. p. 216 Zeile 13)! [↑]
[3] Dass die zahmen und „wilden“ Büffel sich sehr ähnlich sehen müssen, beweist der Gebrauch auf Luzon, dass man die domesticirten zeichnet, indem man ihnen die Ohren stutzt, damit man sie im Walde nicht für „cimarrones“, verwilderte, halte. Die so gezeichneten nennt man „orejanos“. Wenn nun ein wilder erlegt wird, so bringen die Jäger den Kopf ins Gerichtshaus des Dorfes, damit man sehe, dass er nicht gezeichnet sei. Die Haare der zahmen sind heller und die Haut ist glänzender, sie sind aschgrau, und etwas weisslich auf den Knieen und der Brust; es giebt auch Albinos; die Hörner sind bogenförmig, an der Basis zusammenstossend und reichen bis auf die Schulter, wenn der Kopf gehoben wird. Die wilden sind dunkler und die Hörner dicker bis zur Spitze und schärfer; zähmen kann man sie nicht. Diese Notizen entnehme ich der „Illustracion Filipina“ 1859, 77, allein wenn wirklich bedeutende Unterschiede stets vorhanden wären, so würde ja das Stutzen der Ohren bei den domesticirten überflüssig sein. — Bei 2 von 5 Tamaraos des Museums sind die Ohren auch eingerissen oder defect (bei dem einen beiderseits, bei dem andern nur einseitig; bei einem 6. lässt es sich nicht constatiren, da das Fell zu sehr zerfressen ist); dies rührt zweifelsohne von Kämpfen her; man findet es auch bei der Anoa. [↑]