Ein jüngeres Exemplar von Tagulanda ist schwärzlich auf dem Rücken. Ein Exemplar von Gross Sangi (B 500) fällt zwar auch durch seine röthliche Nüance auf, aber erreicht nicht die Intensität des Rostroth von tingahi, auch kann, wenn man die Exemplare nach den Fundorten zusammen und nebeneinander legt, gar kein Zweifel darüber obwalten, dass die von Tagulanda und Ruang bedeutend röther sind. Wir haben es daher hier mit einer insularen Abänderung zu thun. Wenn diese Form nicht insular isolirt wäre, sondern z. B. auf dem Festlande von Celebes vorkäme, auf eine nicht durch Gebirge oder sonst isolirte geographische Provinz beschränkt, so könnte sie als Subspecies aufgefasst werden, wie leucomus und tonkeanus, die ich nur wegen unserer Unkenntniss der Begrenzungzonen als Species hingestellt habe, da die betreffenden zwei verwandten Formen möglicherweise mehr oder weniger in einander übergehen, was bei insularer Isolirung nicht möglich ist. Siao liegt von Tagulanda c. 25 km entfernt. Die 1871 und 1893 auf Siao und Gross Sangi gesammelten Exemplare differiren in der Färbung nicht im Mindesten von einander. Insulare Abänderungen, wie Sc. tingahi eine bietet, werden vielleicht später mithelfen, den Gründen solcher leichten Differenzirungen nachzugehen, was wir heute noch nicht vermögen.
Diese insularen Formen führen uns zu einer Anderen, vom nicht fernen Palawan, einer Insel, die politisch zu den Philippinen gehört.
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17. Sciurus steeri Gthr.
Günther beschrieb diese Art (P. Z. S. 1876, 735 Pl. LXIX) nach zwei in der Färbung sehr stark differirenden Kleidern von Balabac und Palawan (Puerto Princesa), von denen er sagt, dass sie „greatly differ in coloration, but are structurally quite identical“. Letzteres, die identische Structur, kann im vorliegenden Falle nicht für die Artidentität sprechen, da die hier in Frage kommenden Formen, wie auch z. B. leucomus-tonkeanus und rosenbergi-tingahi, structurell meist überhaupt nicht differiren. Die einzige Differenz besteht in der Färbung. Es liegen mir zwei Exemplare, ebenfalls von Puerto Princesa, vor, ein Pärchen, von denen das Männchen mit Günthers Beschreibung des Palawan-Exemplares des Britischen Museum stimmt (mit der Abbildung weniger, da sie ungenügend ist und auch von der Beschreibung abweicht); das Weibchen dagegen hat fast die ganze Unterseite braun. Dieselben Differenzen zeigen zwei männliche Exemplare von Puerto Princesa des Braunschweiger Museums, die Prof. W. Blasius die Güte hatte mir zu senden. (Alle vier sind von Dr. Platen gesammelt.) Die Schädel erweisen die beiden Dresdner Individuen als adult. Ich bemerke nebenbei, da Jentink (Notes Leyden Mus. V, 129, 1883) die [[28]]Angabe der Zahl der Praemolaren vermisst, dass zwei vorhanden sind. Eine Geschlechtsdifferenz liegt in dem weissen oder braunen Bauche nicht vor; ob es eine Altersdifferenz ist, wage ich um so weniger zu vermuthen, da die zwei Dresdner Schädel sie nicht aufweisen; eine Saisondifferenz könnte eventuell die Ursache sein, da die weissbauchigen Exemplare im Juni (1887 und 1888), die braunbauchigen im Juli und August (1888) erlegt sind, allein ich möchte darüber ohne mehr Material nicht urtheilen. Alle Palawan Exemplare aber haben an den Körperseiten weisse Haare, während das von Balabac im Britischen Museum diese nicht zeigt, und es bleibt daher weiterer Untersuchung vorbehalten zu entscheiden, ob hierin eine insulare Differenz liegt. Übrigens stimmt auch Günthers Abbildung des Balabac Exemplares nicht gut mit seiner Beschreibung. Steere, dessen Angaben nicht immer zuverlässig sind, wie wir auch unten sehen werden, sagt (List Birds and Mammals 1890, 29): „The types were collected in Balabac“. Das ist jedoch nach Günther nicht der Fall, da ihm überhaupt nur 2 Exemplare vorlagen, eins von Balabac und eins von Palawan, und Steere erwähnt auch ausserdem das Exemplar von Palawan (Paragua).
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18. Sciurus mindanensis Steere
Sciurus cagsi A. B. Meyer P. Z. S. 1890, 599
[Tafel XI] Figur 1 (c. ⅔ n. Gr.)
Steere beschrieb 1890 (List p. 29) diese Art von Mindanao zugleich mit Sc. samarensis von Samar und Leyte. Von letzterer sagt er: „General color above and below as in S. mindanensis. Differs from that species in being of larger size and in having the thighs and nose and space about the eye, uniform in color with the back, and the upper surface of feet dark gray“. Da nun das Dresdner Museum seitdem von Dr. Schadenberg ein altes und ein junges Exemplar von Sc. samarensis von Samar erhielt, die sich von dem 1890 (P. Z. S. p. 599) von mir beschriebenen Sc. cagsi von Mindanao gerade nur durch obige Merkmale unterscheiden, so ergab sich daraus die Identität von Sc. mindanensis und cagsi. Mir war allerdings, als ich Sc. cagsi als neue Art aufstellte, Steeres Beschreibung von mindanensis bekannt, allein da sie absolut nicht auf meine 4 Exemplare passte, so konnte ich die Identität gar nicht ernsthaft in Überlegung ziehen. Steere sagt z. B., abgesehen von sonstigen Differenzen in den zwei Beschreibungen: „darker along the middle of the back“, was die Dresdner Exemplare durchaus nicht sind, es sei denn, dass die Körperseiten etwas heller erscheinen als der ganze Rücken; er sagt ferner: „thighs and upper surface of fore and hind feet rufous gray“, sie sind jedoch von derselben Farbe wie der Rücken und die Körperseiten, während man nach Steeres Beschreibung glauben muss, dass sie differiren; er sagt endlich: „tail nearly uniform with the back“; man lese dagegen meine Beschreibung des Schwanzes: „tail bushy, variegated with reddish brown, black and white above; beneath brown, edged, laterally on each side by a longitudinal black stripe, bordered externally with white; end of tail white“. Wenn man das „nearly uniform with the back“ nennt, dann ist eine Beschreibung überhaupt unnöthig, eine, wie Steere sie giebt, leitet nur irre. Gerade der Schwanz dieser Art ist charakteristisch, und auch die rostrothe Färbung an der Schwanzbasis, die übrigens bei dem erwachsenen Exemplare von samarensis fehlt, darf nicht übersehen werden. Ich müsste also sicherlich zweifeln, dass meine Identificirung richtig sei, wenn nicht, wie gesagt, die Differentialdiagnose, die Steere zwischen Sc. mindanensis und samarensis stellt, durchaus auf meine Exemplare von Mindanao und Samar passte, wobei aber noch hervorgehoben werden muss, dass es ein Irrthum von Steere ist, Sc. samarensis für grösser als mindanensis zu halten.[1] Um jedoch ganz sicher zu gehen, sandte ich von meinen Exemplaren an das Britische Museum, und Herr de Winton hatte die Güte, das dort befindliche von samarensis mit einem Dresdner zu vergleichen. Er schrieb: „I find your Sciurus from Samar, as you expected, agrees in every particular with the Co-type of S. samarensis.“ Dieses hebt die Sache über jeden Zweifel und beweist die Unzulänglichkeit der Steereschen [[29]]Beschreibung von mindanensis. Bournes & Worcester (Notes Exp. Phil. Js. 1894, 62) haben die Identität von mindanensis und cagsi schon vermuthet.