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9. Xantharpyia[2] minor (Dobs.)

Während sonst Xantharpyia amplexicaudata (Geoffr.) mit weiter Verbreitung über Südasien bis zu den Philippinen und Aru auch von Celébes registrirt ist (z. B. Dobson Cat. Chir. Br. M. 1878, 73, Jentink Cat. MPB. 1887 IX, 263 und 1888 XII, 151) — das Originalexemplar kam nach Geoffroy aus Timor —, war Hickson der erste und einzige, der X. minor von der kleinen Insel Talisse im Norden von Celébes aufführte, und zwar als „very common“. Die von den Herren Sarasin in Nord Celébes gesammelten vier Exemplare können ihrer geringen Grösse wegen nicht zu amplexicaudata gestellt werden, und auch desshalb nicht, weil der kleine pm 1 sup. zwischen c und pm 2 eng eingekeilt ist, statt durch Zwischenräume getrennt (Dobson l. c.). Eine Revision der in Sammlungen vorhandenen Exemplare von amplexicaudata ist daher angezeigt, zumal alle, die das Dresdner Museum von Nord Celébes und den Sangi Inseln besitzt, im Ganzen 35, zu minor gehören, welche Art Dobson nach einem Weibchen von Java beschrieb, von wo sie aber sonst nicht wieder registrirt worden zu sein scheint. Hingegen hat Jentink (NLM. V, 173 1883) Xantharpyia brachyotis (Dobs.) von Amurang, Minahassa, Nord Celébes, aufgeführt. [[7]]Diese Art wurde von Dobson von Neu Irland beschrieben (PZS. 1877, 116 und Cat. 1878, 74) und ist später von Shortland und Fauro (Salomo Inseln) und von Duke of York nachgewiesen worden (PZS. 1887, 323 und 1888, 483 und Cat. MPB. XII, 151 1888). Jentink sagt, dass die zwei Exemplare von Celébes „in allen Punkten“ mit Dobsons Beschreibung übereinstimmen. Die Unterschiede zwischen X. minor und brachyotis bestehen nach Dobson bei letzterer in viel kürzeren Ohren, längerer Schnauze und darin, dass pm 1 sup. nur bei jungen Exemplaren vorhanden ist; Dobson erwähnt noch, dass die Schulterdrüse der Männchen durch dicke gelbe Haarbüschel, wie bei Pteropus, verdeckt seien. Letzteres zeigen auch die Exemplare von minor von Nord Celébes und den Sangi Inseln, und zwar nicht nur die alten Männchen, sondern auch die alten Weibchen; die Haare sind zum Theile lebhaft rostroth.

Aus alle dem dürfte hervorgehen, dass unsere Kenntniss dieser Formen noch sehr ungenügend ist. Einerseits wäre zu untersuchen, ob X. minor (von Java und Celébes) nicht identisch ist mit X. brachyotis (vom Bismarck Archipel und Celébes), oder ob und eventuell wie sich beide Formen subspecifisch von einander abgrenzen, und andrerseits, wie sich diese beiden zu X. amplexicaudata verhalten, sowohl artlich, als auch geographisch. Dazu aber ist ein weit umfangreicheres Material von den verschiedensten Fundorten nöthig als bis jetzt die besten Museen enthalten.

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10. Cynopterus latidens Dobs.

Diese Art wurde von Dobson nach einem Weibchen von der Insel Morotai bei Halmahéra beschrieben (Cat. Chir. 1878, 86 pl. V, 3, Zähne), allein schon Jentink (Cat. MPB. XII, 155 1888) führte ein Männchen von „Menado“ (Celébes) auf, von v. Faber gesammelt, das allerdings in dem Verzeichnisse der Faberschen Sammlung (NLM. V, 173 1883) nicht vorkommt (diese Sammlung stammte von Amurang, siehe p. 170, nicht von Manado). Die 4 von den Herren Sarasin aus Nord Celébes gebrachten Exemplare stimmen nur in sofern nicht mit Dobsons Beschreibung überein, als der Kopf vor und über den Augen nicht fast schwarz, sondern mit dem Hinterkopfe gleich gefärbt ist; da alle 4 aber in der Kopffarbe überhaupt etwas untereinander differiren, indem einige heller sind als andere, und Dobson nur ein Exemplar von Morotai vorlag, so lässt sich nicht beurtheilen, ob der hellere Vorderkopf der Celébes-Exemplare ein constanter Charakter ist; die Kopffarbe mancher Flederhunde variirt bedeutend, und das könnte daher bei Cynopterus auch statthaben. Keinenfalls fühle ich mich vorläufig berechtigt, die Celébesform desshalb subspecifisch abzutrennen; erst weiteres Material wird darüber entscheiden können.

Es ist das Material fast aller Flederhunde in den Museen noch viel zu unzulänglich, um bei weiter verbreiteten Arten Localrassen mit Sicherheit unterscheiden zu können; diese Erkenntniss ist der Zukunft vorbehalten. Wenn wir bei Arten mit grösserem Verbreitungsbezirk oft stillschweigend annehmen, dass sie fortdauernd von Insel zu Insel fliegen, so ist dies doch keineswegs bewiesen. Bei der Nähe von Nord-Celébes und Morotai könnte man a priori ja vielleicht geneigt sein, ein Überfliegen des Meeres für möglich zu halten; sieht man doch von der Höhe des Klabat unter Umständen den Vulkan Ternate (Meyer & Wiglesworth: Birds of Celebes I Intr. 52 1898). So kommt z. B. Pteropus mackloti in Nord Celébes und Batjan vor. Allein nicht jede Art muss infolge von Isolirung abändern. Auf der anderen Seite sind Pteropus personatus von Ternate und Pt. wallacei von Nord Celébes zwar nahe verwandt, aber verschieden, ein Beweis, dass der Meeresarm sehr wohl auch Fledermäuse trennen kann, so gut wie Vögel ein selbst viel schmälerer (l. c. 125). Ausnahmsweise wird die See überflogen, nach der Isolirung aber ist die Abänderung vor sich gegangen, und die jetzige Constanz der Formen beweist eben, dass ein weiteres regelmässiges Überfliegen nicht statt findet.