Als wir weggingen, befahl sie, daß ein sehr großes und tüchtiges Mutterschwein zum Boot hinabgebracht werden sollte, und sie selbst begleitete uns in Person dahin. Sie hatte ihren Landsleuten geheißen, mich wie auf dem Herwege auf den Armen zu tragen. Da ich aber jetzt lieber gehen wollte, so bot sie mir den Arm, und sooft wir an eine Wasserpfütze oder eine morastige Stelle kamen, hob sie selbst mich hinüber und das offenbar mit ebenso geringer Mühe, als es in gesunden Tagen mich würde gekostet haben, ein Kind hinüberzuheben.

Am folgenden Morgen schickte ich ihr durch den Waffenoffizier sechs Beile, sechs Sicheln und noch verschiedene andere Dinge. Bei seiner Zurückkunft meldete mir der Offizier, daß er sie bei der Mahlzeit angetroffen, und daß sie in ihrem großen Hause eine erstaunliche Anzahl von Leuten, die seiner Schätzung nach sich auf mindestens 1000 Personen belaufen mußte, mit einem Gastmahl bewirtet habe. Die Speisen wurden bei dieser Gelegenheit alle von den Bedienten, die sie zubereitet hatten, aufgetragen. Das Fleisch war in Kokosnußschalen gefüllt. Diese waren in hölzerne Tröge gesetzt, die unseren Fleischermulden einigermaßen ähnlich sahen, und die Regentin teilte diese Speisen eigenhändig an die Gäste aus, die im Hause rundherum in Reihen saßen. Als sie mit der Austeilung der Gerichte fertig war, setzte sie sich selbst auf einem etwas erhöhten Sitze nieder; zwei Mädchen stellten sich alsdann zu ihren beiden Seiten auf und reichten ihr die Speisen so zu, daß sie nur den Mund aufzumachen brauchte, um sie zu genießen. Sobald sie des Waffenoffiziers ansichtig wurde, ließ sie ihm auch gleich eine Mahlzeit auftragen. Er konnte nicht eigentlich sagen, was es war, das er aß; er hielt es für kleingehacktes Hühnerfleisch mit daruntergeschnittenen Äpfeln, in Salzwasser zurechtgemacht. Es war alles sehr schmackhaft zubereitet. Die Königin nahm die Geschenke, die ich ihr schickte, mit großem Vergnügen an. Als wir auf solche Art mit ihr in ein gutes Einvernehmen gekommen waren, fanden wir, daß weit mehr Lebensmittel aller Art als zuvor auf den Markt gebracht wurden. Allein, obgleich alle Tage Federvieh und Schweine genug ankamen, mußten wir diese Dinge doch teurer bezahlen als im Anfang.

Eines Tages erblickte der Waffenoffizier, der noch immer des Handels wegen am Lande blieb, eine alte Frau jenseits des Flusses, die bitterlich weinte. Sobald sie merkte, daß sie seine Aufmerksamkeit erregt hätte, schickte sie einen Jüngling, der mit ihr gekommen war, mit einem Bananenzweige in der Hand über den Fluß zu ihm hinüber. Als der junge Mensch vor ihm stand, hielt er eine lange Rede und legte alsdann seinen Zweig zu des Waffenoffiziers Füßen nieder. Darauf ging er zurück, die alte Frau selbst zu holen, während ein anderer Mann zwei große gemästete Schweine herbeibrachte. Die Frau sah unsere Leute einen nach dem andern an und brach abermals in Tränen aus. Als der Jüngling, der sie über den Fluß gebracht hatte, das Mitleid und Erstaunen des Offiziers sah, hielt er eine zweite große Rede, die länger als die vorhergehende war, nach deren Ende man aber die Ursache, warum die Frau so jämmerlich weinte, ebensowenig wußte als vorher. Endlich gab sie zu verstehen, daß ihr Mann und drei von ihren Söhnen beim Angriff auf das Schiff umgekommen wären. Während dieser Erklärung wurde sie von ihrem Kummer so ergriffen, daß sie zuletzt nicht mehr reden konnte und ohnmächtig niedersank; die zwei Jünglinge, die sie in ihren Armen hielten, schienen ähnlich bewegt zu sein. Vermutlich waren es zwei andere ihrer Söhne oder doch nahe Blutsverwandte. Der Waffenoffizier tat alles, was nur möglich war, um ihre Betrübnis zu lindern. Sobald sie nur einigermaßen wieder getröstet war, befahl sie, daß man ihm die beiden Schweine bringen solle, und reichte ihm die Hand zum Zeichen ihrer Freundschaft, sie wollte aber nichts dagegen annehmen, obwohl er ihr den zehnfachen Marktpreis dafür geboten hatte.

Am folgenden Morgen schickte ich den zweiten Leutnant mit allen Booten und 60 Mann nach Westen, um das Land in Augenschein zu nehmen und festzustellen, was man von dorther etwa bekommen könne. Um Mittag kam er zurück, er war diese Zeit über ungefähr 6 Kilometer weit längs der Küste hinmarschiert. Er fand das Land sehr anmutig und bevölkert und auch mit Federvieh, Schweinen, Früchten und Pflanzen reich gesegnet. Die Einwohner taten ihm nichts zuleide, schienen aber auch nicht geneigt zu sein, ihm irgend etwas von ihren Waren zu verkaufen, nicht einmal Früchte, die unsere Leute am liebsten eingehandelt hätten. Doch überließen sie ihm zuletzt einige Kokosnüsse und Bananen und verkauften ihm schließlich auch einiges Federvieh und 9 Schweine. Der Leutnant war der Meinung, man könne die Eingeborenen dort mit der Zeit schon dahin bringen, daß sie aus freien Stücken mit uns Handel trieben. Allein, diese Gegend lag zu weit vom Schiffe entfernt, so daß man jedesmal eine größere Bedeckungsmannschaft hätte mitgeben müssen. Er sah eine große Anzahl geräumiger Kanus, die die Einwohner auf den Strand gezogen hatten, und andere, an denen noch gebaut wurde. Er fand, daß alle ihre Werkzeuge aus Steinen, aus Muschelschalen und Knochen verfertigt waren, und schloß daraus, daß sie ganz und gar kein Metall besäßen. Auch fand er keine anderen vierfüßigen Tiere als Schweine und Hunde, desgleichen keine irdenen Gefäße. Alle ihre Speisen mußten daher gebacken oder gebraten werden. Weil sie also keinerlei Kochgeschirr hatten, konnten sie auch Wasser nicht sieden machen. Als die Königin eines Morgens mit uns an Bord des Schiffes frühstückte, sah einer von ihren Begleitern, der ein angesehener Mann war und einer von denen, die wir für Priester hielten, daß der Schiffsarzt den Hahn an einer Teemaschine umdrehte und auf diese Weise eine Teekanne, die auf der Tafel stand, mit Wasser füllte. Nachdem er das mit großer Neugierde und Aufmerksamkeit mitangesehen hatte, ging er, um die Sache selbst zu untersuchen, näher hin, drehte den Hahn um und fing das Wasser mit der Hand auf. Man kann sich vorstellen, wie sehr er sich verbrannte! Kaum war das geschehen, so fing er voller Schrecken ganz rasend an zu schreien und sprang vor Schmerz mit den lächerlichsten Gebärden in der Kajüte umher. Die anderen Eingeborenen konnten gar nicht begreifen, was ihm fehle. Sie staunten ihn daher mit Verwunderung an und ließen das äußerste Entsetzen blicken. Indessen legte ihm der Schiffsarzt, der unschuldigerweise die Ursache dieses ganzen Unfalls gewesen war, ein kühlendes Mittel auf; es währte aber doch eine ganze Zeit, bis der arme Schelm Linderung bekam.

Die Königin war jetzt verschiedene Tage über abwesend gewesen. Die Eingeborenen gaben uns indessen durch Zeichen zu verstehen, daß wir demnächst einen Besuch von ihr zu erwarten hätten. Am folgenden Morgen kam sie auch wirklich an den Strand hinab, und bald darauf brachte eine große Menge von Leuten, die wir bisher noch nie gesehen hatten, Lebensmittel aller Art zu Markte, so daß der Marktoffizier uns diesen Tag 14 Schweine und einen großen Vorrat von Früchten an Bord schaffen konnte.

Am Nachmittag des folgenden Tages kam die Königin selbst an Bord und brachte uns zwei große Schweine zum Geschenk mit. Sie ließ sich niemals zu einem Tauschhandel mit uns herab. Als sie am Abend an Land zurückkehrte, gab ich ihr den Bootsmann zur Begleitung und händigte ihm Geschenke für sie ein, die er ihr überreichen sollte. Sobald sie gelandet waren, nahm sie ihn bei der Hand, hielt eine lange Rede an das Volk, das sich rings um sie her versammelte, und führte ihn hierauf nach ihrem Hause. Dort kleidete sie ihn so, wie sie ehemals auch mit mir getan hatte, nach dortiger Landesart in Rindenzeug.

Des Tages darauf schickte sie uns einen weit beträchtlicheren Vorrat von Lebensmitteln, als wir je zuvor an einem Tage an Bord bekommen hatten, nämlich 48 große und kleine Schweine, 4 Dutzend Stück Federvieh und eine fast unzählige Menge von Brotfrüchten, Bananen, Äpfeln und Kokosnüssen.

Ein paar Tage später kam die Königin abermals an Bord und brachte verschiedene große Schweine zum Geschenke mit, für die sie wie gewöhnlich kein Entgelt annehmen wollte. Als sie im Begriff war, das Schiff zu verlassen, bezeigte sie ein lebhaftes Verlangen, ich möchte mit ihr an Land gehen. Ich willigte ein und nahm verschiedene von meinen Offizieren mit mir. Als wir in ihrem Hause ankamen, ließ sie uns insgesamt niedersitzen, nahm meinen Hut ab und steckte einen Busch von bunten Federn daran, wie ihn in diesem Lande meines Wissens niemand trug als sie selbst. Sie band auch um meinen und meiner Begleiter Hüte eine Schnur von geflochtenem Haar und gab uns zu verstehen, daß sowohl das Haar als die Arbeit daran von ihr selbst sei. Sie beschenkte uns ferner mit einigen sehr künstlich geflochtenen Matten. Am Abend begleitete sie uns bis an den Strand zurück, und als wir in unser Boot einstiegen, ließ sie ein großes, schönes Schwein nebst einer großen Menge von Früchten an Bord bringen.

Als wir hierauf Abschied von ihr nahmen, deutete ich ihr durch Zeichen an, daß ich die Insel binnen 7 Tagen verlassen wolle. Sie verstand mich sogleich und antwortete mir, es sei ihr Wunsch, ich solle wenigstens noch 3 Wochen lang bleiben; ich könnte ja indessen eine kleine Reise ins Innere machen, mich einige Tage dort aufhalten und von dort aus eine Menge von Schweinen und Federvieh an den Strand herabschaffen lassen und hernach wegsegeln. Ich gab ihr dagegen wiederum zu verstehen, daß ich unwiderruflich in 7 Tagen abreisen müsse. Hierauf weinte sie so herzbewegend, daß es uns Mühe und Klugheit kostete, sie wieder zu beruhigen.