Am folgenden Morgen schickte der Marktoffizier nicht weniger als 20 Schweine und einen großen Vorrat von Früchten an Bord. Unser Verdeck war nunmehr ganz mit Schweinen und Federvieh angefüllt. Wir schlachteten nur die kleinsten davon, um die andern als Vorrat für die weitere Reise aufzubewahren. Wir fanden aber bald zu unserem großen Verdrusse, daß sowohl das Federvieh als auch die Schweine nicht leicht etwas anderes als die hiesigen Landesfrüchte fressen wollten; das nötigte uns, sie geschwinder nacheinander abzuschlachten, als wir sonst zu tun willens waren. Indessen glückte es uns doch, einen Eber und ein Mutterschwein lebendig nach England zu bringen.
Zwei Tage danach schickte ich dem alten Manne, der unserm Waffenoffizier beim Handel so große Dienste geleistet hatte, noch einen eisernen Topf, etliche Beile, Sicheln und ein Stück Tuch. Der Königin übersandte ich zwei Truthähne, drei chinesische Fasanen, zwei Gänse, eine trächtige Katze, etwas Porzellan, einige Spiegel, gläserne Flaschen, Hemden, Nadeln, Zwirn, Tuch, Bänder, Erbsen, kleine weiße Bohnen und ungefähr 16 verschiedene Arten von Gartenpflanzensamen, nebst einer Schaufel und einer großen Menge kurzer Eisenwaren, wie Messer, Scheren, Sicheln und dergleichen. Wir selbst hatten bereits während unserer Anwesenheit allerhand Arten von Gartensamen und auch etliche Erbsen an verschiedenen Orten ausgesät, und zu unserm größten Vergnügen war alles sehr schön und hoffnungsvoll aufgekeimt. Ich schickte der Königin zuletzt noch ein paar eiserne Töpfe und einige Löffel. Als Gegengabe brachte mir der Marktoffizier 18 Schweine und einige Früchte.
Am Morgen des 25. Juli ging ich unter kleiner Bedeckung an Land und ließ auf einer gewissen Landspitze ein Zelt aufschlagen, um dort eine Sonnenfinsternis zu beobachten, was ich bei der Klarheit der Luft mit großer Genauigkeit tun konnte. Als ich mit meiner Beobachtung fertig war, ging ich nach dem Hause der Königin und wies ihr das Fernrohr vor, dessen ich mich soeben bedient hatte. Nachdem ich ihr zuerst den Bau gezeigt hatte, suchte ich ihr den Gebrauch deutlich zu erklären. Ich richtete es also auf verschiedene in weiter Ferne befindliche Gegenstände, die ihr wohl bekannt waren, die man aber von ihrem Hause aus mit bloßem Auge nicht erkennen konnte, und ließ sie alsdann durchsehen. Sobald sie die Dinge so nah und deutlich erblickte, sprang sie erstaunt zurück, wandte alsdann ihre Augen dahin, wohin das Fernrohr gerichtet war, stand eine Zeitlang unbeweglich stille, sah zum zweiten Male hindurch und bemühte sich von neuem, wiewohl vergebens, die eben geschauten Gegenstände mit bloßem Auge zu erkennen. Sowie sie dieselben wechselweise sah, wenn sie durch das Rohr blickte, sie bald wieder aus dem Gesichte verlor, wenn sie mit bloßen Augen hinsah, drückten ihre Mienen und Gebärden jedesmal eine Mischung von Erstaunen und Entzücken aus, die keine Sprache beschreiben kann. Endlich ließ ich das Fernrohr wegschaffen und lud sie nebst verschiedenen Standespersonen, die bei ihr waren, ein, mit mir an Bord zu gehen. Als wir mit unsern Gästen an Bord gekommen waren, befahl ich, daß eine gute Mahlzeit zu ihrer Bewirtung zubereitet werden solle. Allein die Königin wollte weder essen noch trinken. Ihre Begleiter hingegen ließen sich alles, was ihnen zum Essen vorgesetzt wurde, herzlich gut schmecken. Doch außer reinem Wasser wollten sie nichts trinken.
Als die Königin wieder von Bord ging, fragte sie mich durch Zeichen, ob ich noch immer auf meinem Entschlusse beharre und die Insel zu der angesagten Zeit verlassen wolle. Als ich ihr hierauf zu verstehen gab, daß ich mich unmöglich länger aufhalten könne, zeigte sie mir durch eine Flut von Tränen, die sie eine Zeitlang ihrer Sprache beraubten, wie schmerzlich sie dieses ankäme. Sobald sich die Heftigkeit ihrer Betrübnis gelegt hatte, winkte sie mir, sie wolle morgen wieder an Bord zu mir kommen; so schieden wir voneinander.
Ihre Mienen und Gebärden drückten Erstaunen und Entzücken aus.
Am folgenden Morgen um 10 Uhr kam die Königin ihrem Versprechen gemäß mit einem Geschenke von Schweinen und Federvieh an Bord. Wir ergänzten auch unsere Holz- und Wasservorräte und machten uns fertig, in See zu gehen. Am nächsten Tage kam eine größere Anzahl der hiesigen Eingeborenen, als wir sonst je gesehen hatten, an den Strand herab. Sie schienen aus dem inneren Teil des Landes herzustammen, auch waren viele darunter, die den ihnen erwiesenen Ehrenbezeigungen nach Standespersonen sein mußten. Um 3 Uhr des Nachmittags kam die Königin in größtem Staat und in Begleitung eines sehr zahlreichen Gefolges wiederum an den Strand herab. Sie ging mit allen ihren Leuten und dem alten Manne über den Fluß und besuchte uns noch einmal an Bord. Sie brachte auch einige sehr schöne Früchte mit sich, erneuerte mit vielem Eifer ihr Anliegen, daß ich noch 10 Tage länger hier bleiben sollte, und gab mir zu verstehen, daß sie ins Innere des Landes reisen und mir eine Menge von Schweinen, Federvieh und Früchten von dorther mitbringen wolle. Ich suchte ihr für diese Freundschaft und Güte meine Erkenntlichkeit zu bezeigen, versicherte ihr aber, daß ich unabänderlich den folgenden Morgen absegeln müsse. Sie brach hierüber wie gewöhnlich in Tränen aus, und als sie sich gefaßt hatte, erkundigte sie sich durch Zeichen, wann ich wieder zurückkäme. Ich gab mir Mühe, ihr die Zahl von 50 Tagen anzuzeigen, sie bat darauf durch Gegenzeichen, daß ich nicht länger als 30 Tage wegbleiben solle. Da ich aber gegen alle ihre Einwendungen fest immer wieder 50 andeutete, gab sie sich endlich zufrieden. Sie blieb bei uns, bis es Nacht wurde, und es kostete viele Mühe und Künste, sie endlich zur Rückkehr an Land zu bewegen. Als man ihr sagte, daß das Boot auf sie warte, warf sie sich über die Gewehrkiste hin und weinte eine Zeitlang so heftig, daß sie gar nicht wieder zu sich zu bringen war. Endlich bequemte sie sich doch und stieg, wiewohl sehr ungern, in das Boot, wohin alle ihre Begleiter und auch der alte Mann ihr nachfolgten.
Mit Anbruch des 27. Juli lichteten wir die Anker, und zu gleicher Zeit schickte ich die Barke und ein anderes Boot ab, um die wenigen Wasserfässer zu füllen, die wieder leer geworden waren. Als unsre Leute sich der Küste näherten, sahen sie zu ihrem größten Erstaunen den ganzen Strand weithin mit Eingeborenen überfüllt. Weil sie es nun bei diesem Anblick nicht für ratsam fanden, sich unter eine solche Menge hineinzuwagen, so wollten sie wieder unverrichteterdinge nach dem Schiffe zurückkehren. Sobald aber die Eingeborenen am Strande dies beobachteten, kam die Königin hervor, winkte ihnen und schien die Ursache ihrer Besorgnis zu erraten; denn die Insulaner mußten sich auf ihren Befehl jenseits des Flusses begeben. Die Boote ruderten hierauf nach der Wasserstelle und füllten die Fässer. Unterdessen ließ die Königin einige Schweine und Früchte an Bord des Bootes bringen, und als unsre Leute vom Strand abstoßen wollten, wäre sie gern mit ihnen gefahren. Der Offizier wollte es ihr aber nicht gestatten, weil er Befehl bekommen hatte, keinen Eingeborenen mehr mit sich zu nehmen. Sie ließ auf diese Weigerung gleich eines ihrer doppelten Kanus in See stechen, und ihre eigenen Leute mußten sie zu uns führen. Sie kam gleich an Bord, konnte aber vor Wehmut nicht sprechen, sondern setzte sich nieder und brach in Tränen aus. Als sie ungefähr eine Stunde bei uns gewesen war, erhob sich ein günstiger Wind, wir lichteten die Anker und gingen unter Segel. Da sie nunmehr sah, daß sie in ihr Kanu zurückkehren müsse, umarmte sie uns alle auf das zärtlichste und mit vielen Tränen; ebenso ließ auch ihr ganzes Gefolge große Betrübnis über unsre Abreise wahrnehmen. Wir hatten indes kaum die Segel aufgespannt, so flaute der Wind wieder ab und die See lag still. Ich schickte also die Boote voraus, um das Schiff zu bugsieren. Sobald die Kanus, die uns eben verlassen hatten, dies sahen, kehrten sie alle zusammen zum Schiff zurück. Dasjenige, das die Königin an Bord führte, ruderte an die Waffenkammer hin. Die Leute im Raum befestigten es an der Luke, und nach Verlauf von wenigen Minuten kam die Königin an Bord, setzte sich nieder und weinte ganz untröstlich. Ich gab ihr allerhand Sachen, die ihr meines Erachtens nützlich sein konnten, und Putzwerk. Sie nahm alles stillschweigend und teilnahmslos an.
Um 10 Uhr waren wir durch Unterstützung unserer Boote über die Klippenreihe hinausgekommen, und da sich nunmehr ein frischer, günstiger Wind erhob, nahmen unsere Südseefreunde und besonders die Königin noch einmal mit zärtlicher Freundschaft und so rührender Betrübnis Abschied von uns, daß ich selbst ganz bewegt wurde und mich der Tränen nicht erwehren konnte.