Wir konnten nun nichts weiter tun, als unserm großen, unglücklichen Befehlshaber den letzten Dienst erweisen, und schickten deshalb Eappo mit dem Auftrag ab, er solle Sorge tragen, daß die ganze Bucht mit dem Tabu belegt würde. Nachmittags versenkten wir die Gebeine, nachdem wir sie in einen Sarg gelegt und das Begräbnisgebet verlesen hatten, unter kriegerischen Ehrenbezeigungen ins Meer. Die Welt mag beurteilen, welche Gefühle wir in diesem Augenblicke hatten. Diejenigen, die dabei zugegen gewesen sind, können mir das Zeugnis geben, daß ich außerstande bin, sie zu schildern.

Am 22. Februar sah man den ganzen Vormittag kein Kanu in der Bucht, da das Tabu, womit Eappo sie tags zuvor auf unser Verlangen hatte belegen lassen, noch nicht aufgehoben war. Endlich kam Eappo zu uns. Wir versicherten ihm, daß wir nun vollständig befriedigt seien, und daß die Erinnerung an alles Vergangene mit dem »Orono« begraben sei. Nachher baten wir ihn, er möchte das Tabu aufheben und den Eingeborenen bekanntmachen, sie sollten uns wie gewöhnlich Lebensmittel bringen. Die Schiffe waren denn auch bald von Kanus umringt; viele Vornehme kamen an Bord und bezeigten uns ihre Trauer über das Vorgefallene und ihre Freude über die Wiederherstellung des Friedens. Mehrere von unseren Freunden, die uns nicht besuchten, schickten uns Schweine und andere Lebensmittel zum Geschenk.

Da nun alle Anstalten, in See zu stechen, getroffen waren, erteilte Kapitän Clerke den Befehl, die Anker zu lichten, weil er besorgte, es möchte einen schlechten Eindruck machen, wenn das Gerücht von diesen Vorfällen früher zu den benachbarten Inseln käme als wir selbst. Gegen 8 Uhr abends schickten wir die Eingeborenen alle an Land zurück, und Eappo nebst dem freundschaftlichen Kärikia nahmen gerührt Abschied von uns. Wir lichteten darauf die Anker und steuerten aus der Bucht, und als wir längs der Küste hinfuhren, erwiderten die Eingeborenen, die sich dort in großen Haufen versammelt hatten, unser letztes Lebewohl mit allen Äußerungen ihrer Zuneigung und Freundschaft.

[Eine Unglücksreise nach der Nordwestküste Amerikas]
Von Kapitän John Meares

Mir war der Auftrag geworden, Seeotterfelle von den Indianern an der Nordwestküste Amerikas einzuhandeln und nach Kalkutta zu schaffen. Am 20. Januar 1786 kaufte ich deshalb zu dieser Expedition zwei Fahrzeuge. Das eine erhielt den Namen »Nutka« und faßte 200 Tonnen Last. Das zweite, von 100 Tonnen, ward die »Seeotter« genannt. Das Kommando über die »Nutka« übernahm ich selber, das über das andere Schiff Herr William Tipping, Leutnant in der königlichen Flotte. Den 20. Februar, da beide völlig segelfertig waren, ward dem Ausschuß, der im Namen sämtlicher Eigentümer die Ausrüstung besorgte, ein doppeltes Anerbieten gemacht. Das eine bestand darin, daß man die »Seeotter« mit einer Ladung von Opium nach Malakka schicken wollte, wobei ungefähr dreitausend Rupien zu gewinnen waren. Der Ausschuß der Eigentümer zögerte keinen Augenblick, diesen Vorschlag anzunehmen, und die »Seeotter« ging unverzüglich nach Malakka ab, von wo aus Kapitän Tipping seinen Lauf nach der Nordwestküste von Amerika fortsetzen und die nötigen Vorkehrungen treffen sollte, um sich dort mit mir zu vereinigen. Das zweite Anerbieten bestand darin, daß wir den Oberkriegszahlmeister der königlichen Truppen in Indien nebst seinem Gefolge nach Madras bringen sollten, wofür er ebenfalls dreitausend Rupien versprach. Diesen Vorteil konnte man auch nicht ausschlagen, und so richtete die »Nutka« ihren Kurs zunächst nach Madras.

Den 12. März verloren wir das Land aus dem Gesicht und setzten unsere Fahrt ununterbrochen bis zum 27. fort, da wir auf der Reede von Madras vor Anker gingen. Man hielt unsere Fahrt in dieser Jahreszeit für außerordentlich schnell. Nachdem wir unsere Passagiere gelandet und noch allerlei Vorräte von Lebensmitteln an Bord genommen hatten, machten wir uns segelfertig und stachen am 7. April in See. Man hatte es während unseres Aufenthaltes an nichts mangeln lassen, was zu unserer Aufmunterung und Unterstützung dienen, und was von Güte und Aufmerksamkeit gegen uns zeugen konnte. Man muß sich dabei vor Augen halten, daß zur Zeit unserer Abreise von Bengalen alle Arten von Schiffsvorräten dort so schwer zu erhalten waren, daß unser Schiff nur karge Provisionen auf ein Jahr mitbekommen hatte. Unsere Lebensmittel reichten nicht einmal für diesen Zeitraum aus, und man sah es für unmöglich an, unter solchen Umständen eine Reise von dieser Art zu vollbringen. Auf Madras hatten wir uns daher gewissermaßen verlassen, und mit der Hilfe, die uns dort zuteil ward, hofften wir nunmehr 18 Monate auszukommen. Unser Schiff hatte eine starke Bemannung. Allein, sie war so beschaffen, daß nur die Not unsere Wahl rechtfertigen konnte. Den Zahlmeister, den Wundarzt, fünf Offiziere und den Bootsmann miteinbegriffen, waren wir unser vierzig Europäer, zu denen wir in Madras noch zehn Laskaren annahmen. Aber alle Bemühungen, einen Schiffszimmermann zu bekommen, schlugen fehl, und diesen Mangel fühlten wir während der ganzen Reise auf das empfindlichste.

Am 23. Mai erreichten wir Malakka nach einer ungewöhnlich langen Fahrt, die dem Skorbut Zeit ließ, sich unter uns zu zeigen. Schon in dieser frühen Periode unserer Reise verloren wir unseren Bootsmann, einen der vortrefflichsten Männer an Bord, dessen Verlust unersetzlich blieb. In Malakka erfuhren wir, daß Kapitän Tipping schon abgesegelt war, nachdem er sein Geschäft hier beendet hatte. Wir versorgten uns mit Holz, Wasser und Erfrischungen, von welch letzteren wir so viel an Bord nahmen, daß wir nicht nur die schon verbrauchten Lebensmittel ersetzten, sondern uns auch im Stande sahen, Kapitän Tipping auf alle Art behilflich zu sein, wenn wir ihn an der Küste von Amerika anträfen. Am 29. Mai gingen wir in See, nachdem wir das holländische Fort mit neun Kanonenschüssen begrüßt und einen Gegengruß von gleicher Anzahl zurückerhalten hatten. In sehr wenigen Tagen kamen wir in das Chinesische Meer und setzten dann mit Hilfe eines starken südwestlichen Monsuns unsern Lauf bis zum 22. Juni fort. An diesem Tage kamen die Baschi-Inseln in Sicht. Es währte indes bis zum 26., ehe wir bei der Grafton-Insel in einer kleinen anmutigen Bucht Anker werfen konnten. Rund um diese Bucht ist das Land hoch und bis an die Gipfel der Berge angebaut. Die Pflanzungen, die überall mit sehr netten Zäunen umschlossen sind, gewähren einen freundlichen Anblick. Auf einer sanften Anhöhe unweit der See lag ein Dorf; Gruppen oder Haine von schönen Bäumen schmückten romantisch den Abhang der Berge, von denen ein munterer Bach hinunter ins Tal rauschte. Die ganze Gegend prangte wirklich in außerordentlicher Schönheit. Die Spanier hatten etwa vier Jahre vorher diese Inseln in Besitz genommen, weil sie hofften, daß sie in dem Innern der Gebirge edles Metall finden würden. Der Gouverneur und seine Besatzung begegneten uns mit vieler Höflichkeit und versuchten es auf keinerlei Weise, unsern kleinen Tauschhandel mit den Eingeborenen, allem Anschein nach ganz harmlosen Menschen, zu stören. Wir hielten uns hier vier Tage lang auf und bekamen während dieser Zeit gegen rohes Eisen eine Menge Schweine, Ziegen, Enten, Hühner, Yams und süße Bataten.