Am 1. Juli verließen wir die Baschi-Inseln und richteten unseren Lauf nordostwärts längs der japanischen Inselgruppe, die wir indes nicht zu Gesicht bekamen. In den Karten findet man verschiedene Inseln, über die wir hätten hingesegelt sein müssen, wenn sie richtig angegeben gewesen wären. Sobald wir über den 25. Grad nördlicher Breite hinausgekommen waren, hatten wir einen undurchdringlichen Nebel, der oft so dicht war, daß wir keine Schiffslänge weit voraussehen konnten. Am 1. August, nachdem wir die vorige Nacht beigelegt hatten, vermuteten wir in der Nähe Land, und bei Tagesanbruch erblickten wir es auch wirklich durch die Nebelbänke hindurch. Es waren die Inseln Amluk und Atscha. Wir näherten uns der ersten und lagen daselbst zwei Tage lang vor Anker, wobei uns sowohl die Russen als die Eingeborenen besuchten. Auf unserer Fahrt von hier nach Unalaschka trieben wir zwischen fünf Inseln hindurch und sahen uns so auf allen Seiten von Gefahr umringt; denn wir waren außerstande, unseren Weg zu erkunden. Dennoch kamen wir glücklich und unbeschädigt heraus. Seitdem wir über den 35. Grad nördlicher Breite gekommen waren, hatten wir des ununterbrochenen Nebels wegen nur zweimal Gelegenheit gehabt, die Sonnenhöhe zu beobachten. Desto glücklicher konnten wir uns schätzen, eine astronomische Uhr an Bord zu haben, die uns die größten Dienste leistete.

Die fünf Inseln, zwischen denen wir in so große Verlegenheit gerieten, beschreibt Coxe in seinen russischen Entdeckungen unter dem Namen Pjät Sopka (das heißt die fünf Vulkankegel), und er nennt auch viele zwischen diesen Inseln und Kamtschatka verunglückte russische Seefahrer. Sie sind unbewohnt und scheinen weiter nichts als ungeheuere Felsenmassen zu sein. Zwei davon sehen einander sehr ähnlich und haben ziemlich genau die Form eines Zuckerhutes.

Am 5. August sahen wir um uns her eine Menge Kanus, die, nach Kleidung und Sitte der darin befindlichen Leute zu urteilen, von einer oder der anderen dieser Inseln gekommen sein mußten, obgleich wir eigentlich nach unserer Rechnung viel zu weit gegen Süden sein mußten, als daß sie sich hätten herauswagen dürfen. Diese kleine Flottille beschäftigte sich mit dem Walfang. Nachdem die Leute eine kleine Weile innegehalten hatten, um unser Schiff anzugaffen, wobei sie die äußerste Verwunderung zu erkennen gaben, verließen sie uns und ruderten nordwärts. Wir jedoch steuerten noch etwas südlicher, weil wir sowieso gegen unsere Berechnung, wahrscheinlich durch die Strömung, etwas zu weit nördlich geraten waren. Der Nebel blieb immer noch so dicht, daß man unmöglich 20 Schritt weit vom Schiff irgend etwas erkennen konnte. Die Menge der Kanus, bei denen wir vorübergeschifft waren, schien indes aller Wahrscheinlichkeit nach anzudeuten, daß Land, vermutlich kein anderes als die Insel Amuchta, in der Nähe wäre. In der folgenden Nacht erschreckte uns plötzlich das Geräusch von Wogen, die sich an der Küste brachen. Wir legten das Schiff augenblicklich um; aber als wir etwa zwei Stunden lang in der neuen Richtung gelaufen waren, hatten wir von einem ähnlichen Geräusch einen neuen Schrecken. Nun legten wir nochmals um, und bei Tagesanbruch erblickten wir in der Höhe des Mastkorbes das Land auf einen Augenblick. Es schien mit Schnee bedeckt zu sein. Bald verdichtete sich aber der Nebel wieder vor unseren Augen und machte die ängstliche Ungewißheit unserer Lage nur noch schrecklicher. Vier Tage lang suchten wir, aus der Finsternis der Luft und ebenso unserer Gemüter einen Ausweg zu finden, überall schienen wir eingesperrt zu sein. Das Rauschen des Wassers an dem Felsenstrande vertrieb uns von der einen Seite, damit wir bald wieder derselben furchtbaren Warnung auf der andern Seite gehorchten. Wir hatten alle Ursache, zu vermuten, daß wir durch irgendeinen engen Eingang in einen von gefahrvollen Ufern umringten Meerbusen geraten wären, aus dem nur der einzige Kanal, durch den wir hineingekommen waren, uns zurückführen könnte.

Am 9. August endlich hob sich des Morgens der Nebel, und wir hatten den grausenvollen feierlichen Anblick der glücklich vermiedenen Gefahren. Aber diese Wirklichkeit selbst schien kaum hinreichend, uns die Möglichkeit begreiflich zu machen. Von allen Seiten umgab uns fürchterliches, hohes Land, dessen Hänge bis auf zwei Drittel ihrer Höhe hinunter mit Schnee bedeckt waren. Die Küste, die das Seeufer bildete, bestand aus einer unzugänglichen, hohen, senkrechten Felsenmauer, die keine andre Unterbrechung hatte als die Höhlungen, an denen das Steigen und Fallen der gewaltigen Wogen jenes warnende Geräusch, das uns rettete, verursachte. Jetzt entdeckten wir zwei offene Kanäle oder Durchfahrten: den einen südwärts, durch den wir hereingetrieben waren, den anderen gegen Nordosten. Hätten wir in dieser Richtung gesteuert, so wären wir gleich aus der schrecklichen Lage befreit gewesen. Allein, wir besorgten, immer nordwärts von den Inseln zu kommen, und dann hätte es, da im Sommer die Strömungsrichtung immer nördlich ist, schwergehalten, wieder zurückzufahren, um so mehr, weil hierzu ein starker Nordwind erforderlich gewesen wäre und in dieser Jahreszeit hier Südwestwinde zu herrschen pflegen. Die Strömung war jetzt wirklich so stark, daß wir nicht wieder durch den südlichen Kanal auslaufen konnten; wir schifften daher nordwärts und dann östlich bis Unalaschka, wo wir mit Hilfe eines starken Nordwindes, der zu unserem Glück einsetzte, durch die Enge zwischen Unimak und Unalaschka hindurchsegelten. Die Strömung lief hier so schnell, daß sie mindestens sieben Seemeilen in der Stunde betrug und auf diese Weise eine fürchterliche, stürmische See erregte. Nachdem wir die Südseite der Insel erreicht hatten, kam ein Russe als Lotse zu uns und führte uns in einen Hafen neben demjenigen, in dem einst Kapitän Cook sein Schiff ausgebessert hatte.

Wir hatten den grausenvollen Anblick glücklich vermiedener Gefahren.

Die hier befindlichen Russen waren von Ochotsk und Kamtschatka in Galeoten hierhergekommen. Diese Fahrzeuge halten etwa fünfzig Tonnen und können jedes sechzig bis achtzig Mann führen. Man legt sie für den Zeitraum von acht Jahren, den die Russen hier zubringen, in bequemen Plätzen an Land; nach Verlauf dieser Zeit kommt eine andere Anzahl Russen und löst die ersteren ab, um Seeottern und andere Pelztiere zu jagen. Die Eingeborenen verschiedener Bezirke müssen ebendiesem Geschäfte nachgehen und die Früchte ihrer Arbeit als einen Tribut an die Kaiserin von Rußland erlegen, der dieser Handel ausschließlich gehört. Sie erhalten dagegen einen geringen Vorrat von Schnupftabak, den sie unmäßig lieben, und sind, wenn sie nur dieser Lieblingsware habhaft werden, zufrieden mit ihrer elenden Lage, aus der sie sich auch, wenigstens sofern man es auf ihre eigene Anstrengung ankommen läßt, nie herausarbeiten werden. Eisen und andere europäische Handelsartikel sieht man bei ihnen so selten wie bei ihren Nachbarn auf dem Festlande.

Beide Teile gerieten in Schrecken.