Die Wohnungen der Russen sind nach dem Modell derer gebaut, die sie im Lande üblich fanden. Nur ist der Maßstab ungleich größer. Es sind Gruben, die man in die Erde gräbt, und die äußerlich so wenig das Ansehen einer Wohnung haben, daß ein Fremder hineinfallen kann, ehe er sich's träumen läßt, daß er sich an einem von Menschen bewohnten Orte befindet. Der einzige Zugang zu diesen unterirdischen Behausungen ist ein oben offen gelassenes, rundes Loch, durch das man auf einem eingekerbten Pfosten hinuntersteigt. Ich sage nicht zuviel, wenn ich von der Gefahr hineinzufallen spreche. Denn sowohl unserem ersten Offizier, als dem Wundarzte widerfuhr schon am ersten Abend nach unserer Landung dieses Unglück. Auf ihrem Rückwege von dem russischen Dorf verschwanden sie plötzlich durch eines dieser Löcher und erschienen der unten wohnenden Familie von Eingeborenen. Beide Teile gerieten in Schrecken. Die Eingeborenen eilten so schnell, als ihre Furcht es zuließ, zum Hause hinaus und ließen unsere Herren in der bangen Erwartung, daß sie nun die Nachbarschaft wecken und ihre Freunde herbeirufen würden, um diesen unschuldigen Überfall mit Mord und Blutvergießen zu rächen. Als sie endlich wieder heraufgestiegen waren, fanden sie, daß die Eingeborenen, deren sanftes und liebenswürdiges Wesen sie damals noch nicht kannten, in ihrer Angst und Verwirrung sich nach dem Dorfe geflüchtet hatten. Am folgenden Morgen erklärte man diesen guten Leuten den Zufall und vergalt ihnen den Schrecken vom vorigen Abend durch ein kleines Geschenk von Tabak.

An den Seiten sind diese Wohnungen durch Verschläge in Schlafstellen abgeteilt, auf denen Tierfelle als Betten liegen. In der Mitte ist der Feuerherd, an dem die Einwohner ihre Speisen bereiten und verzehren. Bei sehr kaltem Wetter brauchen sie Lampen statt des Brennholzes, das überhaupt auf diesen ganz von Bäumen entblößten Inseln äußerst selten ist und nur zufällig vom festen Lande her angeschwemmt wird. Fische mit einer Brühe von Fischöl sind ihre einzige Nahrung. Und selbst die Russen nähren sich auf ebendie Art, nur mit dem Unterschiede, daß sie ihre Speisen kochen, während die Eingeborenen sie roh verzehren. Wir sahen sie oft den Kopf eines Stockfisches oder eines Heilbutts, den sie soeben gefangen hatten, mit allen Zeichen gierigen Wohlbehagens verschlingen. Wilde Sellerie ist das einzige Küchenkraut, das auf diesen Inseln wächst, und die Eingeborenen essen es roh, wie es aus der Erde gerissen wird.

Zwar wohnen seit geraumer Zeit Russen auf diesen Inseln. Allein, sie haben hier noch keinerlei Art von Anbau versucht, und sie besitzen weder zahmes Federvieh, noch irgendein Haustier, Hunde ausgenommen. Ob aber dieser Mangel an Bequemlichkeiten des Lebens, die sich doch sonst so leicht erlangen lassen, ihrer Trägheit und Gleichgültigkeit oder der Unfruchtbarkeit des Landes zuzuschreiben ist, haben wir nicht untersuchen können. Bezüglich ihrer Nahrung verlassen sie sich ganz auf den Ertrag des Meeres und der Flüsse. Wirklich liefern diese auch die vortrefflichsten Fische im Überfluß; und wenn wir nach dem starken, gesunden Aussehen sowohl der Eingeborenen, als auch der neuen Ansiedler urteilen dürfen, gibt ihnen diese Speise Kräfte und Gesundheit in reichlichem Maße.

Die Eingeborenen der Inselreihe, die man unter der gemeinschaftlichen Benennung der Fuchsinseln kennt, sind eine starke, untersetzte Rasse mit rotwangigen runden Gesichtern, auf denen man keine Spur von Wildheit sieht. Sie zerkratzen und entstellen ihr Gesicht nicht so wie die Bewohner des festen Landes und sind allem Anschein nach von einer harmlosen Gemütsart, die niemandem übelwill.

Die einzigen vierfüßigen Tiere dieser Insel sind Füchse, unter denen es einige mit schwarzem Pelze gibt, der sehr hoch im Preise steht. Wir bemühten uns während unseres hiesigen Aufenthaltes, die Russen zum Handel mit uns zu bewegen. Allein, sie schätzen ihre Pelzwaren viel zu hoch ein, um sie uns, wenigstens gegen das, was wir ihnen zum Tausch boten, zu überlassen, und waren um soviel weniger dazu geneigt, da sie im folgenden Jahre abgelöst zu werden hofften.

Am 20. August verließen wir Unalaschka, um längs dem festen Lande jenseits der Schumagins-Inseln hinzuschiffen. Die Wahrheit zu gestehen, wünschten wir uns von den russischen Inseln zu entfernen, wo wir nichts zu hoffen hatten. Den 27. August erblickten wir die Schumagins-Inseln, und vier Seemeilen weit von der Küste kam eine Menge Kanus uns entgegen. Diese waren ganz von derselben Bauart wie die auf den Fuchsinseln. Auch glichen die darin sitzenden Leute den Eingeborenen jener Inseln in Kleidung und Sprache völlig. Die Russen verbieten es, wie es scheint, an solchen Orten, wo sie sich niederlassen, den Eingeborenen aus irgendeiner politischen Vorsicht, größere Kanus zu führen als solche, die nur einen Mann fassen. Diese Kanus sind insgesamt etwa dreieinhalb Meter lang, ein halbes Meter breit und an beiden Enden scharf zugespitzt. In der Mitte, wo der Ruderer sitzt, sind sie etwa ein halbes Meter tief. So gestaltete Kanus findet man auf der ganzen Strecke von der Meerenge an, die die beiden festen Länder trennt, bis an das Kap Edgecumbe. Einige können drei Personen fassen, die meisten aber nur eine oder zwei. Ihr Gerippe besteht aus sehr dünnen Latten oder Brettchen von Tannenholz, die durch Walfischsehnen miteinander verbunden und mit einer Robben- oder Walfischhaut, der zuvor das Haar abgeschabt wird, überzogen sind. Der untere Rand des Rockes oder Hemdes von Leder — der gewöhnlichen Kleidung der hiesigen Insulaner — verhindert, sobald er über das Loch im Kanu des betreffenden Insassen gebunden wird, jegliches Eindringen von Wasser. Diese Kanus werden durch Rudern äußerst schnell bewegt, und die Eingeborenen wagen, damit bei jeder Witterung in See zu gehen.

Wir schrieben schon den 28. August, ohne von unserer Reise auch nur den allermindesten Vorteil erzielt zu haben. Da wir indes glaubten, daß wir alle russischen Handelsstationen jetzt hinter uns hätten, so hofften wir, noch vor Eintritt des Winters, der schon mit starken Schritten herannahte, Gelegenheit zu einem vorteilhaften Tausche zu bekommen. In dieser Absicht beschlossen wir, westwärts vom Cookfluß einen Hafen zu besuchen. Indem wir nun längs der Küste hinfuhren, sahen wir eine weite Öffnung, die von einer Insel gebildet schien. Wir steuerten also darauf zu. Als wir uns ihr genähert hatten, schien die Einfahrt sich weit aufwärts in nordöstlicher Richtung zu erstrecken. Jetzt erwarteten wir jeden Augenblick, daß die Eingeborenen zu uns kommen würden. Wir waren zwanzig Seemeilen in der Meerenge vorwärts gekommen, als sich das erste Kanu von der Landseite aus näherte. Es führte drei Mann, von denen einer, ein russischer Matrose, zu uns an Bord kam. Er war ein sehr verständiger Mensch und belehrte uns, daß dies die Insel Kadjak sei, auf welcher die Mannschaften dreier Galeoten ihren Posten hätten, und daß sich noch eine Insel gleichen Namens längs der Küste befände. Diese Nachricht war nicht eben erfreulich; denn sie vernichtete alle unsere Hoffnungen, diesseits des Cookflusses etwas einhandeln zu können. Wir setzten also unsere Fahrt durch die Meerenge fort, die wir, zu Ehren des Herrn William Petrie, »Petries Meerenge« nannten, und kamen endlich bei der Landspitze, die auf Cooks Karte Kap Douglas heißt, in den Cookfluß. Die Meerenge ist über 40 Kilometer lang und etwa 10 Kilometer breit. Sie schneidet ein großes Stück vom festen Lande ab, das die früheren Karten noch als zusammenhängend damit darstellten.

Wir ankerten bei Kap Douglas, und bald darauf kamen Indianer des Cookflusses in ein paar Kanus zu uns. Sie verkauften uns zwei oder drei Seeotterfelle und erhielten für jedes etwa ein Pfund rohes Eisen. Über unsere Ankunft bezeigten sie große Freude, so daß sie uns alles, was sie in ihren Kähnen hatten, zum Geschenk anboten. Tabak wollten sie nicht nehmen, woraus wir denn deutlich sahen, daß sie mit den Russen noch nicht in Verbindung standen. Bei ihren wiederholten Rufen »Englisch, Englisch« konnten wir auch nicht mehr glauben, daß wir die ersten Engländer wären, die sie sahen. Und später zeigte sich wirklich, daß die Schiffe »König Georg« und »Königin Charlotte« vor uns da gewesen waren. Bald verließen uns diese Indianer mit den Kanus, um flußaufwärts mehrere Felle zu holen.

Bereits am nächsten Tage sahen wir zwei andere große Boote mit ungefähr 18 Mann in jedem den Fluß hinunterschiffen. Es waren aber Russen, die von einer kaufmännischen Reise in den Fluß zurückkamen. Jedes Boot führte eine kleine Feldkanone mit sich, und jeder Mann war mit einem kurzen Gewehr bewaffnet. Diese Russen hatten ihren Sommeraufenthalt, nämlich die unterwärts gelegenen Inseln im Cookflusse, jetzt verlassen und standen im Begriff, die Winterquartiere auf Kadjak zu beziehen. Während der Zeit kam der 20. September heran und mit ihm sehr stürmisches Wetter. Wir beschlossen daher, den Cookfluß, wo uns einige sehr heftige Stürme so lange aufgehalten hatten, zu verlassen und uns nach Prince-Williams-Sund zu begeben, um dort womöglich zu überwintern. Als wir dort in der von Cook so benannten »Snug-Corner-Cove« oder der »Bucht des sicheren Winkels« ankamen, stürmte es gewaltig. In drei ganzen Tagen ließ sich keiner von den Eingeborenen sehen, und wir glaubten daher schon, daß sie diese Küste verlassen und sich südwärts begeben hätten, um den Winter bequemer hinzubringen. Auf einer unserer Streifereien am Lande sahen wir jedoch etwas frisch mit einem Schneidewerkzeuge abgehauenes Holz. Wir fanden auch ein Stück Bambus, das uns überzeugte, daß ein Schiff kürzlich vor uns hier gewesen sein mußte; und da dies der bestimmte Ort war, wo wir unsere Gefährten mit der »Seeotter« wiederfinden sollten, so vermuteten wir, daß sie schon wieder nach China abgesegelt wären.