Der Gedanke, auf den sich die proletarischen Forderungen stützen, der Gedanke von der Gleichheit alles dessen, was ein Menschenantlitz trägt, dieser, wenn ich so sagen darf, letzte proletarische Gedanke findet seine volle Begründung durch eine letzte Einsicht in die bis dato sehr verworrenen Probleme der Logik. Schließlich verdient die Logik auch schon deshalb den proletarischen Beinamen, weil ihr Verständnis die Überwindung aller Vorurteile fordert, welche die Bourgeoiswelt im Leime halten.
Im zweiten Briefe wird gesagt, was die Logik ist und was sie will:
Die Logik will den Menschengeist über dessen eigenes Tun und Treiben unterrichten, sie will unseren inneren Kopf zurechtsetzen. Forschungsobjekt der Logik ist der Gedanke, die Natur des Gedankens und die rechte Ordnung desselben.
Der Menschenschädel besorgt das Denken so unwillkürlich wie die Brust das Atmen. Mit dem Willen jedoch können wir das Atmen eine Zeitlang anhalten, können nach Belieben es schneller und langsamer gehen machen. So kann auch der Wille die Gedanken regieren; wir können irgendein beliebiges Objekt zum Gegenstand unseres Denkens nehmen und sind dennoch bald zu überzeugen, daß die Macht des Willens und die Freiheit des Geistes nicht weit her sind, nicht weiter reichen wie die Freiheit der Brust.
Wenn also die Logik uns den Kopf zurechtsetzen will, so muß sie sich doch sagen lassen, daß er von Natur schon zurechtsitzt.
Es ist mit ihr wie mit anderen Wissenschaften: sie schöpfen die Weisheit aus der geheimnisvollen Quelle platter Erfahrung. Die Agrikultur zum Beispiel will den Landmann lehren, wie er den Acker bauen soll; aber die Äcker wurden doch schon bebaut, ehe noch irgendeine landwirtschaftliche Akademie ihre Vorlesungen eröffnet hatte. So verstehen auch die Menschen das Denken, ohne je etwas von der Logik gehört zu haben. Durch den Gebrauch jedoch vergrößern sie das angeborene Denktalent, sie machen Fortschritte, lernen es mit der Zeit immer mehr benutzen, und wie nun der Landmann zu einer Wissenschaft der Agrikultur, so kommt der Denker zur Logik, zum klaren Bewußtsein über sein Denktalent und zur kunstmäßigen Verwendung desselben.
Erstaunlich ist es, daß ein so naheliegendes Objekt nicht längst allgemein erkannt wurde, und daß darüber nach Studien, die Jahrtausende andauerten, noch viel zu lehren und zu erklären blieb. Aber Du weißt auch, daß, wie oft das Kleine groß und das Große klein, so oft das Nächste verborgen und das Verborgene zunächst ist.
Im letzten Dietzgenschen Satz werden wir an eine der Hauptlehren unseres Autors erinnert, uns vor allem Überschwang zu hüten, da im Weltprozeß, im Universalzusammenhang das Höchste und Erhabenste ein Element des Allgemeinen und aus dessen Bestandteilen sich zusammensetzt.
Dies wird im dritten Brief wie folgt erörtert: