Das Thema, mit dem der sechste Brief eröffnet wird – der Zusammenhang des Geistes mit dem Gesamtdasein der Welt – wird von einem anderen Gesichtspunkt aus auch im siebten Briefe behandelt, dem des »Ursprungs der Sprache«.

Die Sprache ist kein fertig fixes Ding, sondern ein flüssiges, welches aus rohen Anfängen sich zu einer erhabenen Höhe emporgeschwungen. So wenig wir vorwärts an ihr vollendetes Ende sehen können, läßt sich rückwärts der Punkt finden, wo sie ihren Anfang genommen. Darum sucht man nicht mehr den zeitlichen Ursprung, sondern den begrifflichen. Man möchte eine feste Marke haben, wo man sagen könnte, so weit heißt das Sprachähnliche nur Gegröle, Geschrei, Getöne, und hier beginnt der wohlartikulierte Laut, der den Namen »gesprochenes Wort« verdient.

Nun besteht ein anderes Moment, welches die Sache noch mehr verwirrt; da heißt es: die Sprache setzt Verstand voraus.

Und dann wieder ist auch der Intellekt kein fixes Ding, sondern ein flüssiges Werden, das sich erst an, aus und mittels der Sprache entwickelt. So will es einerseits scheinen, als ob der Geist die Sprache erzeuge, und andererseits, als ob umgekehrt die Sprache den Geist, den Verstand erzeuge. Wo ist da nun Anfang und Ende, und wie Ordnung im Zusammenhang zu finden?

Für uns hier geht aus der Sache hervor, daß nicht nur das Wort, daß auch die Laute, Töne und Gesten, ja alle Dinge einen Sinn haben und eine Sprache sprechen. Nicht nur die Sprache, sondern die Welt hängt mit dem Geiste, mit dem Gedanken zusammen. Wohl aber ist der Sprachzusammenhang ganz geeignet, uns an einem Beispiel den Gedankenzusammenhang der Welt zu zeigen.

Die Einheit alles Seins ist unzweifelhaft klar durch die Tatsache erwiesen, daß ein Name ausreicht, um das All zu benennen. Die Sprache bedarf wohl eines Namens für das All; bedarf aber auch unendlich vieler Namen, um das All zu spezifizieren. Die Sprache oder vielmehr der mit der Sprache zusammenhängende Geist will mittels der Sprache das Unbegrenzte begrenzen. Der instinktive Sprachgebrauch tut es mehr oder minder; die bewußte Wissenschaft verfährt in exakter Weise. Und so erklärt denn die Moral der Geschichte, daß die Dinge der Welt, auch Geist und Sprache, zusammenhängende und ineinander verfließende Wellen eines Stromes sind, der weder Anfang noch Ende hat.

Die Logik, die ich lehre, und der Gedanke, der ihr Objekt ist, sind Teile der Welt, der unendlichen, und ist jeder Teil als ein Stück des Unendlichen auch ein unendliches Stück. Jedes Stück hat teil an der unendlichen Natur des Ganzen.

Ich möchte nur verständlich machen, wie ohne Widerspruch die ganze Mannigfaltigkeit des Daseins von einer Natur ist, und wie diese Ein-Natur sich in mannigfaltige Formen zerteilt. Die Welt hängt zusammen, und der Zusammenhang ist in Abteilungen getrennt.

Befassen wir uns zunächst mit dem Zusammenhang unseres Intellekts. Denn die abstraktesten Unterschiede, wie Anfang und Ende, Wort und Sinn, Leib und Seele, Mensch und Tier, Kraft und Stoff, Wahrheit und Irrtum usw., setzen zu ihrer Aufklärung logische Aufklärung über den Zusammenhang unseres Intellekts voraus.