Die Idee des Weltzusammenhanges wird im elften Brief weiter behandelt und speziell auf das soziale Gebiet übertragen:
Allen naturgeschichtlichen Einteilungen soll logischerweise das Bewußtsein von der absoluten, universalen Einheit, vom Zusammenhang aller Dinge zugrunde liegen. Darum haben fromme Leute durch ihren Herrgott, in dem alles lebt und webt, was fleucht und kreucht, mehr Logik wie gewisse Freidenker, denn sie fangen mit Gott an und hören mit Gott auf. Vollkommen logisch aber vermögen sie nicht zu denken, weil sie das Böse und den Teufel, Krankheit, Elend und Sünde, kurzum die Leidigkeit und Vergänglichkeit mit ihrem ewigen vollkommenen Allvater in keinen rechten Zusammenhang bringen können.
Die Ein-Natur, die unendliche, ist der Logik Quintessenz. Über dies Ding der Dinge kann weder die Naturwissenschaft (im engeren Sinne) noch die Metaphysik und formale Logik Aufschluß geben, sondern nur eine Denklehre, welche Geist und Natur, alle Gegensätze und Widersprüche als Formalitäten des All-Einen erkennt. Wie sollte nun jemand, der mit der großen Masse der Bevölkerung auf gespanntem Fuße lebt, sich eins fühlen können mit dem Allgemeinen? Wer eine spezielle Klasse zum echten Volk macht, hat keinen Begriff, weder für das allgemeine Volk noch für die absolute Allgemeinheit.
Die proletarische Logik lehrt nicht nur Gleichheit alles dessen, was Menschenantlitz trägt, sondern die universelle Gleichheit, welcher, wohlgemerkt, die Verschiedenheit so wenig widerspricht, wie die mannigfaltigen Töpfe und Krüge der Gefäßeinheit widersprechen. Wir erkennen, daß jedes Ding, jede Person ein Stück der unendlichen Welt ist und an ihrer unendlichen Natur teil hat.
Unsere Logik, welche die Wahrheit, die Weltwahrheit zum Objekt hat, ist eine Denklehre des Universums, eine universale Denklehre oder Weltanschauung. Sie lehrt, daß der Zusammenhang aller Dinge die Wahrheit und das Leben, das Echte, Rechte, Gute und Schöne ist. Alles Hohe, was Menschenherz erhebt, alles Süße, was Menschenbrust durchbebt, ist die Weltnatur oder das Weltall. Aber dann bleibt immer die kitzlige Frage: Wohin mit dem Negativen, dem Häßlichen, Bösen, wohin mit dem Irrtum, dem Scheine, dem Stillstand, der Krankheit, dem Tode und dem Teufel?
Jawohl, die Welt ist vergänglich, böse und leidig; aber das sind doch nur akzidenzielle Erscheinungen, nur Formen und Fransen der Welt. Ihre Ewigkeit, Wahrheit, Güte und Schönheit ist substantiell, wesenhaft und positiv. Ihr Negatives ist das Dunkel, welches dem Lichte zur Verherrlichung dient, daß es überwinde und um so glänzender strahle.
Solcher hohen optimistischen Lehre sind die Wortführer der herrschenden Klasse nicht zugänglich, weil sie den umgekehrten pessimistischen Beruf haben, das Elend und die Knechtschaft zu verewigen.
Der zwölfte Brief kehrt zum Beginn des zweiten zurück: was die Logik ist, was sie will und wie sie es will? Die Beantwortung der Frage erfolgt im Geiste der Briefe zehn und elf, das heißt im Sinne des Universalzusammenhangs:
Logik, die Lehre eines kunstgemäßen Denkens, verlangt zunächst wahrheitsgemäßes, das heißt vernunftmäßiges Denken. Die Logik handelt von Vernunft und Wahrheit.
Vernunft und Wahrheit sind keine von den übrigen Dingen getrennte, sind keine Dinge an sich. Solche Dinge gibt es überhaupt nicht. Die proletarische Logik unterscheidet sich von der herrschenden dadurch, daß sie Vernunft und Wahrheit nicht hinter Tempelvorhängen, auch nicht in den Köpfen der Gelehrten, sondern im leibhaftigen Zusammenhang sucht und findet.