Ich sehe durchs Fenster den Fluß und die Straße, Brücke, Häuser und Bäume. Jedes ist ein Ding für sich, und doch hängt alles untrennbar aneinander. Die Eigenschaften der Welt werden vom Intellekt als Subjekte behandelt; aber es soll das intelligente Subjekt auch wissen, daß sein Tun und Treiben, sein Unterscheiden und Erkennen eine Formalität, eine formelle Zerstücklung des Absoluten ist, welches trotz aller Einteilung stets das ungeteilte Ganze bleibt.
Die Erscheinungen der Wahrheit und des Lebens rubrizieren, heißt erkennen, heißt den Intellekt gebrauchen und den Kopf erhellen.
Jedoch bleibt nun wohl zu erwägen, wie weit wir in der Spezifikation zu gehen haben, um die Rubrik zu finden, welche völlige Klarheit und Bestimmtheit in die Erkenntnis bringt. Es ist sehr zu beachten, daß sowohl das Subjekt, welches erkennt, wie das erkannte Objekt als Stücke des Absoluten, auch absolute unendlich detaillierte Stücke sind, die sich nimmer auskennen, nimmer erschöpfen lassen.
Es lassen sich neue Erkenntnisse nur mittels alter erwerben. Das heißt: Altes und Neues und die Erkenntnis, die ich als Klassifikationsvermögen kennbar zu machen suche, haben ihre Existenz nur im Zusammenhang des gesamten Daseins.
Einteilung, regelrechte Einteilung ist die Sache der Logik oder Denkkunst. Dazu gehört in erster Instanz das erweckte Bewußtsein vom ungeteilten All, vom Universum und seiner universalen Einheit. Dieses Bewußtsein ist mit anderen Worten zugleich auch das Bewußtsein von der nur formalen Bedeutung aller wissenschaftlichen Teilung.
Die Einheit aller Welt ist wahr und ist die Wahrheit allein und einzig. Daß die alleinige und einzige Weltwahrheit voller Unterschiede steckt, ja ebenso absolut verschieden wie absolut gleich ist, widerspricht einer verständigen Einheit und Gleichheit ebensowenig, wie es sich widerspricht, daß die Käuze mit den verschiedensten Visagen doch alle dasselbe Kauzgesicht tragen.
Der rote Faden, der sich durch diese Vorträge schlängelt, betrifft folgende Punkte: Der Denkapparat ist ein Ding wie alle gemeinen Dinge, ein Stück oder Akzidenz des Weltganzen; er gehört zunächst in die allgemeinste Kategorie des Seins und ist ein Apparat, der durch kategorische Einteilung oder Unterscheidung ein detailliertes Bild der menschlichen Erfahrung zustande bringt. Um ihn kunstgerecht zu verwenden, will klar erkannt sein, daß die Welteinheit durchaus mannigfaltig und alle Mannigfaltigkeit eine Monas bildet.
Das Rätsel der alten eleatischen Philosophie war: Wie steckt das Eine im Vielen, wie das Viele im Einen?
Der vierzehnte Brief handelt vom »Absoluten« und dem Verhältnis des Intellekts zu ihm im Weltzusammenhang: