Das Absolute ist die bare Summe alles dessen, was war, ist und sein wird.

Sowohl die Subjekte wie Objekte aller Wissenschaft gehören dem Absoluten an, das mit trivialem Namen »Welt« heißt.

Alle anderen Wissenschaften haben begrenzte Stücke, haben Relatives zum Gegenstand, während die Wissenschaft des Geistes von allen Objekten, das heißt vom Unbegrenzten handelt. Ich will die Lehre vom Intellekt vortragen und handle von aller Welt, vom Weltall, weil ich darzustellen habe, nicht wie sich der Geist in der Schusterei oder Astronomie, sondern wie er sich generaliter verhält.

Der Intellekt ist ein spezielles Stück wie jedes andere wissenschaftliche oder praktische Objekt. Aber er ist auch dasjenige Stück, dem es mit der Stückelei nicht genug, der sich und alles einzelne als Attribut oder Prädikat des absoluten Subjektes, der sich und alle Welt im Weltzusammenhang weiß.

Seit Jahrhunderten hat man viel davon gehandelt, ob im Intellekt angeborene Ideen versteckt sind oder ob er einem unbeschriebenen Blatte Papier gleiche, dem die Erfahrung Kenntnisse aufprägt. Es ist das die Frage nach Ursprung und Quell der Erkenntnis. Woher kommt die Vernunft, wo holen wir unsere Begriffe, Urteile und Schlüsse? Mittels Grübelei aus dem Innern des Kopfes, aus der Offenbarung oder aus der Erfahrung? Alles, was wir erfahren, samt dem Intellekt, der erfährt, sind Offenbarungen des Absoluten. Alles, wovon wir wissen, ist Erfahrung. Wenn nun auch der Geist ein leeres Blatt ist, so ist zur Beschreibung doch dies innere Papier ebenso wesentlich wie die äußere Welt, welche Hand, Tinte und Feder zu diesem Schreibprozeß hergibt; das heißt, alle Erkenntnis stammt aus dem Weltzusammenhang. Dem Intellekt sind keine Kenntnisse, aber doch das Bewußtsein, das Weltbewußtsein angeboren.

Die Wissenschaft vom Intellekt hat sich von alters her an eine wunderbare Tatsache gestoßen. Sie fand Kenntnisse vor, die dem Geiste von außen zugekommen, sogenannte Erfahrungskenntnisse; aber sie fand auch solche, welche scheinbar angeboren sind, sogenannte Erkenntnisse a priori.

Unsere Logik fragt: Stammt die Weisheit geheimnisvoll aus dem Innern des Menschenkopfes oder kommt sie nach Art aller Erfahrung aus der äußeren Welt? – Die Zusendung von oben wollen wir schon außer Frage lassen.

Da lautet die Antwort: Zum Wissen, Erkennen, Begreifen, Denken gehört Inneres und Äußeres, Subjekt und Objekt, Kopf und Welt.

Aber wie erklären sich nun die wunderbaren, anscheinend aprioristischen Kenntnisse, welche alle Erfahrung übersteigen? Antwort: Der Intellekt hat nicht nur die Fähigkeit, im allgemeinen zu wissen, sondern auch Spezielles vom Ganzen zu trennen und namhaft zu bestimmen. Indem wir zum Beispiel den Begriff des Minerals fassen, sehen wir ab vom Unterschied zwischen Gold und Blech. Wenn wir dann weiter klassifizieren, indem das Goldige und Blechige als besondere Arten dem Mineral untergeordnet werden, wissen wir nun genau, wie Gold und Blech verschiedene Arten sind von derselben Mineralnatur. Wir wissen, was die Namen bedeuten, und solange sie ihren Sinn behalten, wissen wir, daß »in Himmel und Hölle« Gold kein Blech, Blech kein Gold ist.