Der »erschaffene Geist« dringt mit seiner Wissenschaft bis in das Allerinnerste der Natur, aber darüber hinaus kann er nicht dringen, nicht weil er ein beschränkter Geist ist, sondern weil die Mutter eine unendliche Natur, eine natürliche Unendlichkeit ist, die nichts außer sich hat.

Die wunderbare Mutter hat ihrem natürlichen Kinde das Bewußtsein angeerbt. – Der erschaffene Geist kommt mit der Anlage zur Welt, sich bewußt zu werden, daß er das Kind seiner guten Mutter Natur ist, welche ihm die Fähigkeit anerschaffen, sich von allen anderen Kindern seiner Mutter, von allen seinen Geschwistern treffliche Bilder zu entwerfen.

Die von der philosophischen Wissenschaft im Laufe der Jahrhunderte zusammengetragenen Kenntnisse vom »erschaffenen Geiste« gipfeln in der Lehre, daß dieser Geist eine Kraft, eine Naturkraft ist, wie die Schwerkraft, wie Wärme, Licht, Elektrizität usw.; und dann auch neben seiner allgemeinen Natur, ganz wie die anderen Kräfte, ein spezielles Naturell besitzt, welches ihn allein auszeichnet und kennbar macht. Prüfen wir diese Spezialnatur des »erschaffenen Geistes« näher, so findet sich, daß ihm die, wenn man will »wunderbare« Eigenschaft angeboren ist, ohne weiteres und mit zweifellosester Sicherheit zu wissen, daß zwei Berge nicht ohne Tal sind, der Teil kleiner ist als das Ganze, Kreise nicht viereckig und Bären keine Elefanten sind.

Solche Wissenschaft ist uns durch die objektive Untersuchung des »erschaffenen Geistes« gegeben.

Der überschwengliche Geist ist ein phantastischer Begriff.

Ebenso phantastisch ist denn auch der Naturbegriff derjenigen, welche von einer Natur reden wollen, die dem »erschaffenen Geist« ihr Inneres verschließt. Die Natur ist das Unendliche. Wer das begreift, begreift auch, wie man bei ihr nicht vom Inneren oder Äußeren reden kann. Alle diese Bezeichnungen gelten nicht von der Natur überhaupt, welche das Absolute ist, sondern nur von ihren Teilen, von ihren Produkten, ihren Kindern, den einzelnen Dingen.

Wollen wir uns ein rechtes Bild machen von der Natur und ihrem »erschaffenen Geiste«, so müssen wir dem letzteren vor allem das Bewußtsein beibringen, daß er sich nicht über seine Mutter erheben darf, wie er damals getan, als er noch von einem über- und außernatürlichen Geist gefabelt. Ein rechter Begriff vom Menschengeist ist nur zu gewinnen, wenn wir uns das klare und deutliche Bewußtsein von der Universalität der Natur aneignen. Unser Geist ist ihr eigenes Produkt. Sie hat ihm die Gabe und die Bestimmung angeerbt, sich Einsicht von ihr und allen ihren Erscheinungen zu verschaffen. – »Von allen«, sage ich und spreche im verständig-mäßigen Sinne des Wortes, ohne zu verkennen, wie unerschöpflich die Natur in der Produktion ihrer Erscheinungen ist, und wie der »erschaffene Geist«, sofern er ein Stück der Natur, trotz all seiner Universalität im Begreifen, doch nur ein beschränktes Naturgeschöpf sein kann.

Wer sich die Resultate der Naturwissenschaft betrachtet, kann die Natur keiner mysteriösen Verschlossenheit beschuldigen, und wer dabei die Resultate der Philosophie in Betracht zieht, kann nicht verkennen, daß der Menschengeist berufen ist, alle möglichen Rätsel zu lösen. Das Unmögliche aber hat weder Sinn noch Verstand und darf also kein Objekt unserer Betrachtung und Beachtung sein.

So innig wie das Gesichtsvermögen mit Licht und Farbe, oder das subjektive Tastvermögen mit der objektiven Tastbarkeit, so innig hängt der »erschaffene Geist« mit dem Rätsel der Natur zusammen. Diesen Zusammenhang der Dinge übersehen zu haben, ist der Fehler jener rückständigen Erkenntnistheoretiker, welche derart über Geist und Natur im unklaren schweben, daß sie Rettung jenseits der Wolken suchen.