Fechner ist ein Dichter, und der Dichter sieht Ähnlichkeiten, die der nüchterne Kopf nicht sieht; dabei müssen wir aber zugeben, wie der nüchterne Kopf, der überall nur die Unterschiede sieht, ein sehr erbärmlicher Kopf ist.

Wenn der Unterschied zwischen Menschen und Steinen nicht so groß ist, daß solch ein genialer Kopf wie Fechner sie als gemeinsam beseelt mit Fug und Recht darstellen kann, so wird doch auch – was Fechner noch entgangen – der Unterschied zwischen Leib und Seele nicht so groß sein, daß gar keine Ähnlichkeit, keine Gemeinschaft stattfände. Ist die Luft und der Duft nicht ein ätherischer Leib?

Alle Dinge sind so ähnlich, daß ein guter Dichter aus allem alles machen kann. Kann das vielleicht auch die Naturwissenschaft? Ah! Diese Herren sind auch auf dem besten Wege. Sie machen das Trockene flüssig und das Flüssige gasförmig, machen aus der Schwerkraft Wärme und aus der Wärme wieder Triebkraft; aber dabei vergessen sie nicht den Unterschied der Dinge, wie es unserem Fechner passiert ist.

Es ist nicht genug, zu wissen, daß der Leib beseelt und die Seele beleibt ist, nicht genug, zu wissen, daß alles eine Seele hat, es wollen auch die Menschen-, Tier-, Pflanzen- usw. Seelen in ihren Einzelheiten und Eigentümlichkeiten gehörig getrennt, eingeteilt, markiert und unterschieden sein; man hüte sich nur, den Unterschied zu übertreiben und exorbitant zu machen, damit er nicht sinnlos werde.

Wir machen es uns nicht zur Aufgabe, der Allerweltsseelentheorie weiter zu folgen. Fechner erklärt selbst: »Von vornherein ist zu gestehen, die ganze Seelenfrage ist und bleibt eine Glaubensfrage.«

Jedoch steht seit Cartesius fest, wenigstens in der philosophischen Welt, daß das Bewußtsein der menschlichen Seele von ihrem Dasein das Sicherste ist, das sie weiß. Die positivste Wissenschaft von der Welt ist die erfahrungsmäßige Wahrnehmung der denkenden Seele von sich selbst. Dieses Subjekt ist das evidenteste Objekt, das sein kann, und das Leben und Treiben dieses Seelenstückchens, das sich Bewußtsein oder Erkenntnisvermögen nennt, trefflich geschildert zu haben, ist das Akquisit der Philosophie.

Hieran reiht sich als sechster Abschnitt das Thema »Dem Bewußtsein ist nicht nur die Möglichkeit oder das Vermögen überhaupt zu wissen, sondern auch das Bewußtsein von der Universalität der Generalnatur angeboren«.

Im geschichtlichen Verlauf der Philosophie ist namentlich viel Disput darüber gewesen, wie unsere Kenntnisse zustande kommen, ob und was davon angeboren und was durch Erfahrung erworben ist. Ohne angeborene Fähigkeit war auch mit aller Erfahrung keine Kenntnis zu sammeln, und ohne alle Erfahrung mußte das beste Vermögen leer bleiben. Die zustande gebrachte Wissenschaft auf allen Gebieten ist also die Folge einer Wechselwirkung von Subjekt und Objekt.

Ohne daß etwas Objektives zu sehen vorhanden wäre, könnte auch kein subjektives Gesichtsvermögen da sein. Ein Gesichtsvermögen besitzen, bedeutet zugleich die faktische Ausübung der Gesichtsfunktion. Man hat nicht das Vermögen zu sehen, ohne daß man etwas sieht. Zwar läßt sich beides trennen, doch nur in der Theorie, nicht in der Praxis, und es ist und soll die theoretische Trennung von dem Bewußtsein begleitet sein, daß das getrennte Vermögen nur ein von der Ausübung abgeleiteter Begriff ist. Vermögen und Ausübung stecken ineinander und gehören zusammen.